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Deutschland 2017

Deutschland 2017 > Bank- und Finanzrecht > Marktüberblick

Redaktionelle Abschnitte

Einem laut Anwälten sogenannten Regulierungs-Tsunami folgend war das Finanzmarktaufsichtsrecht in den vergangenen Jahren beachtlichen Veränderungen unterworfen, mit denen ein erheblicher Beratungsbedarf im regulatorischen Bereich einherging; obwohl die politischen Maßnahmen als Reaktion auf die in 2007 ausufernde Banken- und Finanzkrise zurückzuführen sind, wurden zahlreiche Regelungen erst in jüngster Zeit implementiert. Als eine besonders viel beachtete Entwicklung kann so beispielsweise die Europäisierung der Bankenaufsicht durch die Zuständigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgehoben werden, durch die Frankfurt als Finanz- und Kanzleistandort noch einmal an Bedeutung gewinnt. Insbesondere in Frankfurt ansässige Aufsichtsrechtler sind nun vermehrt mit Mandaten beschäftigt, die keinen direkten Bezug zu Deutschland haben, beispielsweise bei EZB-Inhaberkontrollverfahren im Euro-Raum. Einen weiteren Bedeutungsgewinn für den Frankfurter Standort erwartet man zudem im Zusammenhang mit der Brexit-Entscheidung.

Von erheblicher Relevanz im Bankaufsichtsrecht sind außerdem die EZB-Stresstests sowie die Umstellung der Vorschriften von Basel II auf Basel III durch die Implementierung der Kapitaladäquanzverordnung CRR und der Eigenkapitalrichtlinie CRD IV. Im Bereich der Finanzprodukte sorgt die Umstellung der Finanzmarktrichtlinie MiFID auf MiFID II weiterhin für eine hohe Nachfrage an aufsichtsrechtlicher Betreuung. Viel Aufmerksamkeit erregen zudem neue Geschäftsmodelle im Fin-Tech-Bereich und die damit verbundenen regulatorischen Abgrenzungsfragen sowie häufig erforderliche Expertise im Bereich der Zahlungsdienstaufsicht.

Auch im Bereich der Investmentfonds bilden regulatorische Fragestellungen weiterhin einen stark wachsenden Beratungsschwerpunkt zahlreicher Sozietäten. Die Einführung des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) und die zunehmende europäische Regulierung, sowie die anstehenden weiteren OGAW-Reformen, die die Anforderungen an Fonds und ihre Verwaltungsgesellschaften definieren, münden fortlaufend in Neu-Mandatierungen und parallel zu einer Umgestaltung des Marktes für Fondsanbieter und Asset Manager. Als daraus resultierende Konsequenz kommt es zu einem verstärkten Rückzug der klassischen Publikumsfonds sowie zu einem breiteren Angebot an Alternativen Investmentfonds (AIFs), wobei man hier auch einen Trend zu maßgeschneiderten Strukturen für institutionelle Investoren beobachten kann.

Die andauernde aufsichtsrechtliche Regulierung im Bereich des Fondsmanagements erfordert neben tiefgehender Expertise und weitreichendem Verständnis der neuen Produkte insbesondere eine hohe Spezialisierung in diversen Bereichen, einschließlich verschiedener Assetklassen und Fondstypen, sowie auch den Zugriff auf Kenntnisse angrenzender Rechtsgebiete. Die Kanzleienlandschaft in diesem Bereich bleibt daher bunt gemischt und erstreckt sich von Asset-Management-Boutiquen über Kanzleien, deren investmentrechtliche Praxis eng mit dem Transaktionsgeschäft verzahnt ist, bis zu Praxen, die die Stärke ihrer internationalen Kanzleinetzwerke mit einem Fokus auf grenzüberschreitende Sachverhalte ausspielen. Erhöhter Beratungsbedarf bestand zuletzt bei einer Vielzahl ausländischer Mandanten, unter anderem im Zusammenhang mit Vertriebsaktivitäten und grenzüberschreitender Verwaltung, da der Marktzutritt von Nicht-EU Fonds in Europa seit der Umsetzung der AIFM-Richtlinie erschwert wurde und beispielsweise US-Fondsmanager versuchen, ihren Vertrieb am europäischen Markt wieder aufzunehmen. Da AIFs zunehmend als Anlagevehikel für Versicherungen und Pensionskassen eingesetzt werden, tun sich zudem Kanzleien mit zusätzlicher Expertise im Versicherungsaufsichtsrecht hervor. Der Kreis der rund um Investmentfonds beratenden Kanzleien erweitert sich demzufolge nur schleppend, da insbesondere in diesem höchst komplexen und rapide transformierenden Bereich langjährige Erfahrung und Expertise zählen.

Zum äußerst belebten Kreditmarkt tragen aktuell konstant niedrige Zinsen, die Lockerung der Kreditrichtlinien der deutschen Banken, eine hohe Eigenfinanzierungskraft der Unternehmen sowie gute Geschäftsentwicklungen bei. Der durch starken Wettbewerb geprägte Finanzierungsmarkt wird außerdem durch viele neue Player belebt: So konnte der Markt durch alternative Kapitalgeber, wie etwa Versicherer und Pensionskassen, die den Anlegedruck spüren, neue Finanzierungsmöglichkeiten erschließen. Die hohe Liquidität am Markt führt außerdem dazu, dass traditionelle Bankquellen wettbewerbsfähiger werden müssen, um mit den flexibleren Strukturen, die zunehmend durch direkte Kreditgeber angeboten werden, konkurrieren zu können. So erhalten auch Kreditfonds als alternative Kapitalgeber derzeit viel Aufmerksamkeit in Deutschland, so dass sich eine steigende Anzahl dieser aufgrund der erhöhten Nachfrage nach ihren Produkten am deutschen Kreditmarkt etablieren konnte; hierbei handelt es sich um eine Form des Direct Lending, da solche Fonds unabhängig von Banken Fremdkapital zur Verfügung stellen. Die Anwendung der Unitranche-Struktur, die vor- und nachrangige Schulden in einem Kreditinstrument verbindet, wächst in diesem Zusammenhang ebenfalls weiterhin. Des Weiteren profitieren Kanzleien mit Immobilienfinanzierungsexpertise aufgrund des weiterhin boomenden Immobiliengeschäft und der zunehmenden Wahrnehmung von Immobilien als starke Asset-Klasse von einem hohen Mandatszufluss.

Im Segment der Projektfinanzierung wurden zuletzt häufig Mandanten bei Projekten nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland begleitet; diese spielen sich einerseits im stabilen regulatorischen Umfeld ab und anderseits unter Bedingungen, die regulatorischen Rahmenänderungen unterworfen sind und man folglich zu Projektrestrukturierungen und -finanzierungen berät. Die Mehrheit der etablierten Kanzleien beriet auch 2016 wieder hauptsächlich zu Projekten in den Bereichen Infrastruktur und erneuerbare Energien sowie zu neuen Finanzierungsstrukturen. Zudem traten institutionelle Investoren als Darlehensgeber in einem zunehmend sponsorenfreundlichen Markt weiterhin verstärkt in Erscheinung.

Die Umsetzung der Brexit-Entscheidung sowie das potentielle Wachstum von Frankfurt als Finanzierungsstandort durch die Verlegung des Geschäfts von London nach Deutschland wird den Markt auch 2017 weiter stark beschäftigen. Derzeit behalten insbesondere globale Banken den Frankfurter Standort im Visier und erwägen die Verschiebung einiger, wenn nicht sogar aller ihrer Operationen von London an den Main; aktuell positioniert sich die deutsche Finanzmetropole laut Umfragen vor Konkurrenten wie Paris, Amsterdam, Dublin und Luxemburg.

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