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Deutschland > Bank- und Finanzrecht > Marktüberblick

Redaktionelle Abschnitte

Der deutsche bank- und finanzrechtliche Markt wird weiterhin von den drei Themenblöcken Regulatorik, FinTech und Brexit dominiert und sorgt für einen regen Mandatsfluss für Kanzleien unterschiedlicher Ausrichtungen und Spezialisierungen. Im Januar 2018 traten zum einen die europäische Richtlinie über Märkte und Finanzinstrumente MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive II) und zum anderen PSD 2 (Payment Services Directive) in Kraft. Mit dem Ziel, eine Verbesserung des Anlegerschutzes zu schaffen sowie die Transparenz und Integrität im Wertpapierhandel zu erhöhen, beziehen sich die wesentlichen Neuerungen unter MiFID II auf eine Reform der Handelsplätze, die Erweiterung der Vor- und Nachhandelstransparenzpflichten, die Ausweitung von Meldepflichten, ein überarbeitetes Regime für Wohlverhaltensregeln bei Erbringung von Wertpapierdienstleistungen und die Harmonisierung der Drittstaatenregelungen, während durch die PSD 2-Neuregelung elektronische Zahlungen bequemer, billiger und sicherer werden sollen. Der flächendeckende Roll-out der Neuregelungen stellt für viele Institute eine Herausforderung dar und beschert aufsichtsrechtlichen Praxen hohe Mandatsvolumina, worauf einige Praxen mit einem personellen Ausbau reagierten. Um dem anhaltenden Beratungsbedarf gerecht zu werden, stockte Hogan Lovells International LLP Ende 2017 das Team mit Jochen Seitz, Peter Maier und Counsel Markus Brusch von Mayer Brown LLP auf und erzielte dadurch insbesondere verstärkte Beratungskapazitäten im produktbezogenen Bankaufsichtsrecht.

Neben dem erhöhten Arbeitsaufwand für Inhouse-Teams und einem stetigen Mandatsaufkommen für Kanzleien mit starker aufsichtsrechtlicher Ausrichtung ergibt sich durch die Neuregelung im elektronischen Zahlungsbereich auch Raum für völlig neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die in der stark wachsenden FinTech-Industrie auf Nährboden stoßen. Hier befassen sich Kanzleien vermehrt mit den Themen Blockchain und Kryptowährungen, wenngleich man sich der Thematik je nach Ausrichtung von verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen nähert: Großkanzleien mit Fokus auf die Vertretung und Beratung von Banken begleiten ihren Mandantenstamm in erster Linie bei Kooperations- und Partnerschaftsschließungen mit FinTech-Unternehmen beziehungsweise bei diversen Transaktionen wie unter anderem strategischen Übernahmen. Als bekanntes Beispiel für Letzteres gilt die Beteiligung der Direktbank ING Bank an der Kreditvergleichsplattform FinCompare und die Akquisition des Kreditvermittlers Lendico. Daneben begleiten viele FinTech-Teams gemeinsam mit den jeweiligen Kollegen aus den Kapitalmarktrechtspaxen vermehrt ICOs (Initial Coin Offerings), die sich durch die zunehmende Marktetablierung von Kryptowährungen wie Bitcoin bei Anlegern einer immer größeren Beliebtheit erfreuen. Dieses Marktsegment bietet jedoch auch Raum für kleinere Einheiten, die durch eine gute Vernetzung in die Start-up-Szene, tiefgreifende TMT- und aufsichtsrechtliche Beratungskapazitäten sowie eine flexiblere Kostenstruktur von Unternehmen häufig bevorzugt und den Großkanzleien vorgezogen werden. Außerdem spielt Praxen mit starker Start-up-Expertise die damit einhergehende Venture Capital-Erfahrung in die Karten. Dies erweist sich als großer Vorteil, wenn man bedenkt, dass die deutsche FinTech-Branche nach dem E-Commerce-Sektor zuletzt die höchsten Wagniskapitalinvestitionen für sich verzeichnen konnte. Den Rekord verbuchte die Smartphone-Bank N26 mit der Mobilisierung eines Risikokapitals in Höhe von $160 Millionen - ein Trend, der dafür spricht, dass die Geschäftsmodelle reifer werden und die Branche in die nächste Entwicklungsphase eintritt. Gepaart mit der neuen Zahlungsdienst-Richtlinie PSD 2, die auf Kundenwunsch den Zugang für Dritte zu Bankkonten ermöglicht, wird davon ausgegangen, dass sich dadurch der Druck auf klassische Finanzinstitute weiter verschärft, wenngleich FinTech-Kreditinstitute ihre Lizenzierungsverpflichtungen oftmals durch eine Kooperation mit einer Bank nachkommen.

Darüber hinaus bedingen die restriktiveren regulatorischen Eigenkapital- und Liquiditätsanfoderungen eine facettenreiche Kreditvergabelandschaft, in der Versicherungen, Fonds und Schattenbank-Konstruktionen bei der Kreditvergabe vermehrt in die Fußstapfen von klassischen Baken treten, nicht zuletzt, da alternative Finanzierer in der Regel flexiblere Konditionen anbieten können. Daneben laufen aufgrund des günstigeren regulatorischen Umfelds viele Finanzierungslösungen über Luxemburg, was bei Kanzleien mit Fondsstrukturierungspraxen durch eine enge Verzahnung mit dem jeweiligen Luxemburger Büro und teaminternen Schwerpunktsetzungen auf Luxemburger Fondsstrukturen reflektiert wird. Neben der klassischen Fondsstrukturierung nehmen jedoch auch hier aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle in der Mandatsarbeit ein, und dies nicht zuletzt durch die Reform der Investmentbesteuerung, die im Januar 2018 in Kraft trat. Sie betrifft insbesondere Aktienfonds, Mischfonds und Immobilienfonds und verfolgt das Ziel, Steuerschlupflöcher zu schließen. Somit werden inländische und ausländische Fonds, die Dividenden ansparen oder ausschütten, nun nach derselben Systematik besteuert. In der Rechtsberatung erfordert diese Implementierung ein hohes Maß an Spezialisierung, dem die jeweiligen Teams mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen auf diverse Assetklassen wie Immobilien, Private Equity, Infrastruktur und erneuerbare Energien einerseits und auf verschiedene Fondstypen andrerseits gerecht werden.

Unter den alternativen Kreditgebern wächst vor allem die Attraktivität von Debt Funds, die im ersten Halbjahr 2018 einen Marktanteil von 48% am LBO-Markt verzeichnen konnten und insbesondere bei der Finanzierung von Buy-and-Build-Strategien bevorzugt werden. Damit bleibt der deutsche Finanzierungsmarkt kreditnehmerfreundlich. Bei Bieterverfahren äußert sich der für Anleger stetig steigende Investitionsdruck durch einen scharfen Wettbewerb, der Kanzleien zahlreiche Mandatierungen beschert, von denen neben der Finanzierungspraxis auch die Private Equity-Teams profitieren. Gleichzeitig positionieren sich Kanzleien, die traditionellerweise auf der Seite der Banken agierten, zunehmend auf Darlehensnehmerseite und bauen ihre Kapazitäten durch Neuzugänge aus. So wanderten beispielsweise Neil Weiand und Counsel Urs Lewens Ende 2017 von Allen & Overy LLP zu Linklaters, der ehemalige Clifford Chance-Kreditfinanzierungsexperte Thomas Weitkamp schloss sich Anfang 2018 Latham & Watkins LLP an und Ashurst LLP verstärkte sich Anfang 2018 durch Filip Kurkowski und den Verbriefungsspezialisten Martin Kaiser von Baker McKenzie, woraufhin Baker McKenzie Hogan Lovells International LLP im September 2018 Immobilienfinanzierungsspezialisten Patrick Mittmann abgewinnen konnte.

Nicht zuletzt beschert der bevorstehende Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU bank- und finanzrechtlichen Teams - und insbesondere denjenigen mit standortübergreifenden und multijurisdiktionalen Kapazitäten - ein stetiges Mandatsaufkommen. Fragestellungen zu Sitz- und Geschäftsverlegung, insbesondere nach Frankfurt, stehen hier an der Tagesordnung.

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