Twitter Logo Youtube Circle Icon LinkedIn Icon

Deutschland > Bank- und Finanzrecht > Marktüberblick

Redaktionelle Abschnitte

Der deutsche bank- und finanzrechtliche Markt wird weiterhin von den drei Themenblöcken Regulatorik, FinTech und Brexit dominiert und sorgt für einen regen Mandatsfluss für Kanzleien unterschiedlicher Ausrichtungen und Spezialisierungen. Im Januar 2018 traten zum einen die europäische Richtlinie über Märkte und Finanzinstrumente MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive II) und zum anderen PSD 2 (Payment Services Directive) in Kraft. Mit dem Ziel, eine Verbesserung des Anlegerschutzes zu schaffen sowie die Transparenz und Integrität im Wertpapierhandel zu erhöhen, beziehen sich die wesentlichen Neuerungen unter MiFID II auf eine Reform der Handelsplätze, die Erweiterung der Vor- und Nachhandelstransparenzpflichten, die Ausweitung von Meldepflichten, ein überarbeitetes Regime für Wohlverhaltensregeln bei Erbringung von Wertpapierdienstleistungen und die Harmonisierung der Drittstaatenregelungen, während durch die PSD 2-Neuregelung elektronische Zahlungen bequemer, billiger und sicherer werden sollen. Der flächendeckende Roll-out der Neuregelungen stellt für viele Institute eine Herausforderung dar und beschert aufsichtsrechtlichen Praxen hohe Mandatsvolumina, worauf einige Praxen mit einem personellen Ausbau reagierten. Um dem anhaltenden Beratungsbedarf gerecht zu werden, stockte Hogan Lovells International LLP Ende 2017 das Team mit Jochen Seitz, Peter Maier und Counsel Markus Brusch von Mayer Brown LLP auf und erzielte dadurch insbesondere verstärkte Beratungskapazitäten im produktbezogenen Bankaufsichtsrecht.

Neben dem erhöhten Arbeitsaufwand für Inhouse-Teams und einem stetigen Mandatsaufkommen für Kanzleien mit starker aufsichtsrechtlicher Ausrichtung ergibt sich durch die Neuregelung im elektronischen Zahlungsbereich auch Raum für völlig neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die in der stark wachsenden FinTech-Industrie auf Nährboden stoßen. Hier befassen sich Kanzleien vermehrt mit den Themen Blockchain und Kryptowährungen, wenngleich man sich der Thematik je nach Ausrichtung von verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen nähert: Großkanzleien mit Fokus auf die Vertretung und Beratung von Banken begleiten ihren Mandantenstamm in erster Linie bei Kooperations- und Partnerschaftsschließungen mit FinTech-Unternehmen beziehungsweise bei diversen Transaktionen wie unter anderem strategischen Übernahmen. Als bekanntes Beispiel für Letzteres gilt die Beteiligung der Direktbank ING Bank an der Kreditvergleichsplattform FinCompare und die Akquisition des Kreditvermittlers Lendico. Daneben begleiten viele FinTech-Teams gemeinsam mit den jeweiligen Kollegen aus den Kapitalmarktrechtspaxen vermehrt ICOs (Initial Coin Offerings), die sich durch die zunehmende Marktetablierung von Kryptowährungen wie Bitcoin bei Anlegern einer immer größeren Beliebtheit erfreuen. Dieses Marktsegment bietet jedoch auch Raum für kleinere Einheiten, die durch eine gute Vernetzung in die Start-up-Szene, tiefgreifende TMT- und aufsichtsrechtliche Beratungskapazitäten sowie eine flexiblere Kostenstruktur von Unternehmen häufig bevorzugt und den Großkanzleien vorgezogen werden. Außerdem spielt Praxen mit starker Start-up-Expertise die damit einhergehende Venture Capital-Erfahrung in die Karten. Dies erweist sich als großer Vorteil, wenn man bedenkt, dass die deutsche FinTech-Branche nach dem E-Commerce-Sektor zuletzt die höchsten Wagniskapitalinvestitionen für sich verzeichnen konnte. Den Rekord verbuchte die Smartphone-Bank N26 mit der Mobilisierung eines Risikokapitals in Höhe von $160 Millionen - ein Trend, der dafür spricht, dass die Geschäftsmodelle reifer werden und die Branche in die nächste Entwicklungsphase eintritt. Gepaart mit der neuen Zahlungsdienst-Richtlinie PSD 2, die auf Kundenwunsch den Zugang für Dritte zu Bankkonten ermöglicht, wird davon ausgegangen, dass sich dadurch der Druck auf klassische Finanzinstitute weiter verschärft, wenngleich FinTech-Kreditinstitute ihre Lizenzierungsverpflichtungen oftmals durch eine Kooperation mit einer Bank nachkommen.

Darüber hinaus bedingen die restriktiveren regulatorischen Eigenkapital- und Liquiditätsanfoderungen eine facettenreiche Kreditvergabelandschaft, in der Versicherungen, Fonds und Schattenbank-Konstruktionen bei der Kreditvergabe vermehrt in die Fußstapfen von klassischen Baken treten, nicht zuletzt, da alternative Finanzierer in der Regel flexiblere Konditionen anbieten können. Daneben laufen aufgrund des günstigeren regulatorischen Umfelds viele Finanzierungslösungen über Luxemburg, was bei Kanzleien mit Fondsstrukturierungspraxen durch eine enge Verzahnung mit dem jeweiligen Luxemburger Büro und teaminternen Schwerpunktsetzungen auf Luxemburger Fondsstrukturen reflektiert wird. Neben der klassischen Fondsstrukturierung nehmen jedoch auch hier aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle in der Mandatsarbeit ein, und dies nicht zuletzt durch die Reform der Investmentbesteuerung, die im Januar 2018 in Kraft trat. Sie betrifft insbesondere Aktienfonds, Mischfonds und Immobilienfonds und verfolgt das Ziel, Steuerschlupflöcher zu schließen. Somit werden inländische und ausländische Fonds, die Dividenden ansparen oder ausschütten, nun nach derselben Systematik besteuert. In der Rechtsberatung erfordert diese Implementierung ein hohes Maß an Spezialisierung, dem die jeweiligen Teams mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen auf diverse Assetklassen wie Immobilien, Private Equity, Infrastruktur und erneuerbare Energien einerseits und auf verschiedene Fondstypen andrerseits gerecht werden.

Unter den alternativen Kreditgebern wächst vor allem die Attraktivität von Debt Funds, die im ersten Halbjahr 2018 einen Marktanteil von 48% am LBO-Markt verzeichnen konnten und insbesondere bei der Finanzierung von Buy-and-Build-Strategien bevorzugt werden. Damit bleibt der deutsche Finanzierungsmarkt kreditnehmerfreundlich. Bei Bieterverfahren äußert sich der für Anleger stetig steigende Investitionsdruck durch einen scharfen Wettbewerb, der Kanzleien zahlreiche Mandatierungen beschert, von denen neben der Finanzierungspraxis auch die Private Equity-Teams profitieren. Gleichzeitig positionieren sich Kanzleien, die traditionellerweise auf der Seite der Banken agierten, zunehmend auf Darlehensnehmerseite und bauen ihre Kapazitäten durch Neuzugänge aus. So wanderten beispielsweise Neil Weiand und Counsel Urs Lewens Ende 2017 von Allen & Overy LLP zu Linklaters, der ehemalige Clifford Chance-Kreditfinanzierungsexperte Thomas Weitkamp schloss sich Anfang 2018 Latham & Watkins LLP an und Ashurst LLP verstärkte sich Anfang 2018 durch Filip Kurkowski und den Verbriefungsspezialisten Martin Kaiser von Baker McKenzie, woraufhin Baker McKenzie Hogan Lovells International LLP im September 2018 Immobilienfinanzierungsspezialisten Patrick Mittmann abgewinnen konnte.

Nicht zuletzt beschert der bevorstehende Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU bank- und finanzrechtlichen Teams - und insbesondere denjenigen mit standortübergreifenden und multijurisdiktionalen Kapazitäten - ein stetiges Mandatsaufkommen. Fragestellungen zu Sitz- und Geschäftsverlegung, insbesondere nach Frankfurt, stehen hier an der Tagesordnung.

Pressemitteilungen

Aktuelle Meldungen unmittelbar von den Kanzleien. Wenn Sie Pressemitteilungen Ihrer Kanzlei einreichen wollen, schicken Sie bitte eine Anfrage per Email an

Co-Publishing weltweit

Rechtsentwicklungen und Neuigkeiten der führenden Anwälte in verschiedenen Jurisdiktionen. Für Beitrüge schicken Sie bitte eine Anfrage per Email an
  • China Drug Registration Regulation - Public consultation on amendment closes - March 2014

    In February 2014, the China Food and Drug Administration (“CFDA”) invited second-round comments from the public regarding proposed amendments to the China Drug Registration Regulations (“DRR”). One of the proposed amendments touches upon patent protection for drugs in China.
  • Revised NDRC Measures for Approval and Filing of Outbound Investment Projects - April 2014

    The National Development and Reform Commission ( NDRC ) released a new set of Management Measures for Approval and Filing of Outbound Investment Projects ( 境外投资项目核准和备案管理办法) ( New Measures ) on 8 April 2014. The New Measures take effect on 8 May 2014 and will replace the Interim Management Measures for Approval of Outbound Investment Projects ( 境外投资项目核准暂行管理办法) ( Original Measures ) which have been in force since 9 October 2004.
  • Insurance Update - CIRC Issues Insurance M&A Measures: What are the impacts and applications?

    On 21 March 2014, CIRC issued the Administrative Measures on the Acquisition and Merger of Insurance Companies (the Insurance M&A Measures ) which will take effect from 1 June 2014. The Insurance M&A Measures apply to M&A activities whereby an insurance company is the target for a merger or acquisition. The target insurance company could be either a domestic or a foreign invested insurer. However, the Insurance M&A Measures will not apply to any equity investment by insurance companies in non-insurance companies in China or in overseas insurance companies.
  • China issues new rules to regulate medical devices - May 2014

    The Regulations on Supervision and Administration of Medical Devices (in Chinese《医疗器械监督管理条例》, State Council Order No. 650) (the Medical Device Regulations) were amended by China's State Council on 31 March 2014 and will come into effect on 1 June 2014. This is the first amendment in more than a decade since the Medical Device Regulations were first promulgated in 2000, even though the amendment was initiated eight years ago in 2006. The 2014 amendment unveils reforms on the regulatory regime for medical devices market in China from various aspects.
  • Hong Kong: The evolving role of independent non-executive directors - May 2014

     In a recent speech given by Mr. Carlson Tong, Chairman of the Securities and Futures Commission, Mr. Tong pointed out that companies can improve corporate governance by attaching higher importance to the role of their board of directors as an internal gatekeeper. Mr. Tong said that this can be done more easily by having effective independent non-executive directors (INEDs) on the board.
  • Walking a fine line in China:Distinguishing between legitimate commercial deals and commercial bribe

    China in the 21st century exemplifies an atmosphere of great opportunity and intense competition. Against this backdrop, it has become increasingly common for businesses to adopt a variety of practices in order to make their products and services competitive. Such practices may include paying middle-men to promote sales and giving incentives to buyers directly. However, whilst revenue spikes are undoubtedly welcome, businesses should bear in mind the potential backlash arising out of these commercial arrangements. The risk that such arrangements may not comply with anti-bribery and corruption laws and therefore cause business significant damage in the long term should not be underestimated.
  • Competition law developments in East Asia - May 2014

    Authorities in Hong Kong have taken further steps in their deliberate approach to enforcing the Competition Ordinance. A little over a year after it was appointed, the Competition Commission released a report in which it provides a brief introduction to the Ordinance as well as a roadmap leading to its full entry into force. The report also explains how the Commission will prioritise its enforcement activities, and identifies the guidelines, policies and compliance tools which it plans to release before the Ordinance is enforced. Currently only some of the institutional provisions of the Ordinance are effective, allowing the Commission and the Competition Tribunal to prepare for enforcement.
  • Rise of the private healthcare sector - July 2014

    As of 2013, China had 9,800 private hospitals, representing almost half of the total number of hospitals in the country 1 . However, private hospitals still severely lag behind their public peers due to low utilisation, talent shortages and incomplete social insurance coverage. As part of China's ongoing healthcare reform initiatives, the Chinese government has set a goal to increase the share of patients treated by private hospitals to 20% by the end of 2015 2 .
  • Walking a Tightrope in Singapore - July 2014

    The world has no borders and distance is negligible for the technologically savvy criminal. Individuals with illicit funds to launder or terrorist activities to finance can, with the latest technology, transfer high volumes of money around the globe almost instantaneously and seek to conceal the origin or the destination of the funds.
  • Indonesia banking bill: proposed restrictions on foreign investment - July 2014

    Indonesia's House of Representatives is currently considering a new draft banking bill (the Banking Bill ) which, if passed into law in its current form, will:

Pressemitteilungen in Deutschland

Aktuelle Meldungen unmittelbar von den Kanzleien. Wenn Sie Pressemitteilungen Ihrer Kanzlei einreichen wollen, schicken Sie bitte eine Anfrage per Email an