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Deutschland > Gewerblicher Rechtsschutz > Marktüberblick

Redaktionelle Abschnitte

Im Marken- und Designrecht bringen Kanzleien verstärkt Legal Tech-Instrumente zum Einsatz, um den Mandanten in der Portfolioverwaltung Kosten- und Zeitersparnisse anbieten zu können. Die Vereinfachung der Portfolioverwaltung durch Legal Tech führt dabei auch zu einer allmählichen Verschiebung der betreuenden Kanzleien, da die verschiedenen Softwares es auch Großkanzleien erlauben, Portfolioverwaltung profitabel anzubieten. Dementsprechend steigt hier der Konkurrenzdruck auf die klassischen IP-Boutiquen am Markt, die dafür zunehmend auch in der strategischen Beratung aktiv sind und für ihre Mandanten eine Neuausrichtung oder Anpassung vorhandender Schutzrechtsportfolios konzipieren.

Wie auch in den Anmeldezahlen des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) erkennbar, lassen die Kanzleien eine anhaltende Nachfrage sowohl für Marken als auch für Designs erkennen, wobei der Trend für DPMA-Designanmeldungen rückläufig ist. Die Attraktivität von Deutschland als Gerichtsstand für streitige Auseinandersetzungen bleibt hingegen ungebrochen, wobei gleich mehrere bedeutende Verfahren zum EuGH eskaliert wurden.

Der hanseatische Wechsel von Harte-Bavendamm Rechtsanwälte-Partner Ulrich Börger zu UNVERZAGT VON HAVE im August 2018 und die Verstärkung des Markenteams von Heuking Kühn Lüer Wojtek durch den im Januar 2018 von Menold Bezler kommenden Andreas Schabenberger sorgten im Markt ebenso für Schlagzeilen wie der Wechsel eines Noerr-Teams um Sandra Sophia Redeker zu SKW Schwarz Rechtsanwälte zum Jahresende 2017. Mit der zunehmenden Digitalisierung von Aufgaben der Portfolioverwaltung kündigt sich für die Zukunft eine Zunahme von Großkanzleien am Kanzleimarkt an, die durch Legal Tech in die Lage versetzt werden, diesen Aufgabenbereich kosteneffizient anzubieten. Die Zugkraft der IP-Boutiquen dürfte sich dann stärker auf die Qualität strategischer Portfolioentwicklung und die Effizienz in Streitverfahren verlagern.

Auch im Patentrecht ist weiterhin eine hohe Zahl von Streitverfahren zu verzeichnen, wobei mit der von Broadcom gegen Audi und VW erhobenen Klage nun der erste große Streit an der Schnittstelle von Automobil- und Telekommunikationsbranche ausgefochten wird. Nach einhelliger Marktmeinung ist an diesem Kreuzungspunkt in Zukunft mit zahlreichen weiteren Verfahren zu rechnen, woraus sich für die traditionell wenig streitaffine Automobilbranche erhebliche Veränderungen ergeben dürften. Aktuell dominieren jedoch weiterhin Streitigkeiten aus dem Life Sciences-Bereich oder aber zwischen Telekommunikationsunternehmen den Markt. Wie bereits 2017 sind Second-Medical-Use-Patente ein besonders prominentes Thema im Gesundheitssektor, aber auch ergänzende Schutzzertifikate beschäftigten die Kanzleien intensiv.

Ruhig bleibt es hingegen zum Thema Unified Patent Court (UPC). Nahezu ausnahmslos stellten die etablierten Patentrechtskanzleien aktive Vorbereitungen auf das UPC ein und warten das noch für 2018 oder Frühjahr 2019 erwartete Urteil des Bundesverfassungsgerichts ab. Manche Kanzleien sehen im gegenwärtigen Stillstand zum UPC auch einen Grund für die Anzahl von Patentverwerterstreitigkeiten in Deutschland, die nach Ansicht einiger Sozietäten aufgrund von Veränderungen im US-amerikanischen Patentrecht eigentlich höher sein müsste. Die Meinungen am Markt gehen jedoch auseinander, inwiefern das UPC zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich ein Faktor bei der Wahl des Gerichtsstands ist. Insgesamt nimmt die Mehrheit der Kanzleien eine leichte Verschiebung hin zu Patentverwerterstreitigkeiten am deutschen Markt wahr. Streitigkeiten zwischen Wettbewerbern machen jedoch nach wie vor den Löwenanteil im Mandatsaufkommen aus.

Am Kanzleimarkt selbst gab es mit der Neueröffnung eines Standortes von Meissner Bolte Patentanwälte Rechtsanwälte Partnerschaft mbB in Ratingen bei Düsseldorf und der Stärkung des Düsseldorfer Standorts von Vossius & Partner durch den Wechsel des ehemaligen Arnold Ruess Rechtsanwälte PartmbB-Counsels Andreas Kramer im April 2018 zwei vielversprechende Verschiebungen. Bei Arnold Ruess Rechtsanwälte PartmbB wird die von PwC Legal (PricewaterhouseCoopers Legal AG Rechtsanwaltsgesellschaft) kommende Dörthe Minde ab Oktober 2018 das Team verstärken. Ebenfalls auf Wachstumskurs ist DLA Piper, wo der von Allen & Overy LLP kommende Philipp Cepl seit Oktober 2017 das Beratungsspektrum in den Bereichen Life Sciences, Elektrotechnik und Automotive erweitert. Allen & Overy LLP schloss die durch Cepls Weggang geschlagene Personallücke durch die Gewinnung von Jan Ebersohl im Dezember 2017, ehemals bei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, LLP. Auch die sonst eher für ihr organisches Wachstum bekannte Boutique Bardehle Pagenberg konnte eine prominente Veränderung vermelden: Peter Chrocziel wechselte im Februar 2018 von Freshfields Bruckhaus Deringer zum Münchener Standort von Bardehle, wo er nun seine Schnittstellenkompetenz zwischen Patent- und Kartellrecht zum Einsatz bringt. Preu Bohlig & Partner gelang mit der Rekrutierung des ehemaligen Harte-Bavendamm Rechtsanwälte-Partners Daniel Hoppe im Juli 2017 und des vormaligen Taylor Wessing-Partners Matthias Hülsewig im darauffolgenden März ebenfalls eine Erweiterung des Teams. Im Gesamtbild ist bei zahlreichen Kanzleien eine Konsolidierung der Praxisgruppen durch interne Partnerernennungen zu verzeichnen, was neben den zahlreichen lateralen Personalwechseln gerade auch mit Blick auf den für Kanzleien anspruchsvollen Bewerbermarkt eine der sichersten Methoden bleibt, der eigenen Struktur am Markt mehr Gewicht zu verleihen.

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