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Deutschland > Kapitalmarktrecht > Marktüberblick

Redaktionelle Abschnitte

Nach zwei mageren Jahren legte der Markt für Börseneinführungen und Platzierungen an der Frankfurter Wertpapierbörse mit Anfang 2018 kräftig zu und erreichte bereits im ersten Quartal mit dem Börsengang von Siemens Healthineers - der Medizintechniksparte des Technologiekonzerns - den vorläufigen Höhepunkt des Jahres. Im Vergleich zu den USA bleibt die Zahl der Börsengänge in Europa jedoch niedrig, was nicht zuletzt an den hohen Kosten für die Erstellung von Wertpapierprospekten liegt. Außerdem gilt Rocket Internet weiterhin als abschreckendes Beispiel für Börsengänge: derzeit dotiert die Rocket-Aktie bei circa zwei Drittel des Ausgabekurses. Für kapitalmarktrechtliche Praxen stellen insbesondere die anhaltenden politischen Unsicherheiten wie Brexit und der Handelsstreit mit den USA ein Risiko dar, die zu weiteren Kursrückgängen beziehungsweise verstärkten Kursschwankungen einerseits und einem damit zusammenhängenden Rückgang von Aktienemissionen andererseits führen könnten.

Als Gegengewicht soll eine Umwälzung gesetzlicher Rahmenbedingungen fungieren: im Juli 2018 trat das Gesetz zur Ausübung von Optionen der EU-Prospektverordnung und zur Anpassung weiterer Finanzmarktgesetze in Kraft, wodurch ein neuer Schwellenwert für prospektfreie Angebote von Aktien und Anleihen eingeführt wurde. Ziel ist es, die europäischen Kapitalmärkte für Unternehmen und Investoren attraktiver zu machen, da sich europäische Unternehmen bislang tendenziell eher über Banken finanzierten als über Kapitalmärkte. Der neue Schwellenwert erlaubt prospektfreie Wertpapierangebote im Umfang von bis zu €8 Millionen, die jedoch an gewisse Bedingungen geknüpft sind. Insgesamt kommt dies in erster Linie kleinen und mittelgroßen Unternehmen zugute, die sich bislang einem Börsengang nur zögerlich näherten. Diese Zurückhaltung scheint jedoch langsam abzunehmen, da Kanzleien während des Recherchezeitraums neben großvolumigen Transaktionen auch verstärkt MidCap-Aktivitäten begleiteten. Somit erweist sich das ECM-Geschäft neben Großkanzleien auch vermehrt für kleinere Einheiten als profitables Beratungsfeld.

Im Bereich der Kapitalerhöhungen dominierte Bayer den deutschen Mark. Um die Übernahme des amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto zu finanzieren, gab der Pharma- und Agrarchemiekonzern 31 Millionen neue Aktien zu einem Bruttoemissionspreis von insgesamt 3 Milliarden aus, die Singapurs Staatsfonds Temasek zeichnete, und beschloss in Folge eine Kapitalerhöhung, die einen Bruttoemissionserlös in Höhe von €6 Milliarden einbringen soll. Diese beiden Kapitalerhöhungen von insgesamt €9 Milliarden sorgten für das höchste Emissionsvolumen seit der Kapitalerhöhung der Deutschen Bank im Jahr 2010 mit rund €10 Milliarden. Daneben zählen mit Vonovia und CPI Property auch wieder zwei Immobilienunternehmen zu den größten Emittenten, wodurch der Immobiliensektor weiterhin einer der aktivsten Branchen in Bezug auf Kapitalerhöhungen bleibt.

Auch im Fremdkapitalemissionssegment ist der Anstieg des Volumens von Investment Grade-Bonds auf Bayer beziehungsweise die Transaktionsaktivitäten des Unternehmens zurückzuführen: Mitte Juni 2018 warf Bayer zur Finanzierung der Monsanto-Übernahme Anleihen im Gesamtwert von rund €20 Milliarden auf den Markt und verbuchte so die bislang größte Neuemissionen bei Unternehmensanleihen im Jahr 2018. Aufgrund der guten Konjunktur steht in einem von Emittenten dominierten Markt die große Nachfrage nach Unternehmensanleihen einem äußerst begrenzten Angebot gegenüber. Die hohe Liquidität und das niedrige Zinsniveau bietet Unternehmen viele Finanzierungsmöglichkeiten und ein günstiges Umfeld, um Schulden abzubauen. Als Resultat verbessert sich die Bonität und Unternehmensanleihen werfen geringe Rendite ab. Auf der anderen Seite des Spektrums bleibt der Anlagedruck der Investoren bestehen, wodurch sich Hochzinsanleihen als attraktive Anlageform präsentieren. Davon profitieren in erster Linie Kanzleien mit tiefgreifender High-Yield-Expertise, wofür beispielsweise Latham & Watkins LLP und White & Case LLP bekannt sind. Die hohen Emissionsaktivitäten sorgen für ein hohes Maß an Mandatierungen, in denen DCM-Praxen regelmäßig Emittenten beraten, die den Hochzinsmarkt zur Refinanzierung nutzen.

Zum Anderen schürt die Niedrigzinslandschaft und die damit im Zusammenhang stehende Schwierigkeit rentierliche Anlagen zu finden auch die Nachfrage nach strukturierten Produkten, die mit der neuen EU-Verbriefungsverordnung einem neuen Regelwerk unterliegen. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde die neue Verbriefungsverordnung und die einhergehenden Änderungen der Eigenmittelanforderungen im Dezember 2017 im Amtsblatt der EU veröffentlicht und wird am 1. Januar 2019 in Kraft treten. Dadurch entsteht ein allgemeiner Rechtsrahmen für Verbriefungen, der einheitlich von verschiedenen Marktteilnehmern anzuwenden ist und qualitativ hochwertige Verbriefungen fördern soll. Somit bildet für DCM-Teams die regulatorische Beratung neben der Transaktionsbegleitung eine tragende Säule des Geschäfts, von dem man sich auch zukünftig positive Bilanzen erwartet. Diese Prognose eines starken Verbriefungsmarkts basiert auf der Einschätzung, dass der Verbriefungsmarkt im Gegensatz zum Anleihemarkt aufgrund der variablen Verzinsung weniger stark von einer Neubewertung durch etwaige Zinserhöhungen gefährdet ist.

Dementsprechend betrafen die personellen Änderungen im kapitalmarktrechtlichen Bereich auch vorwiegend die Verbriefungsteams: Bei Ashurst LLP verstärkte man dieses Beratungssegment im August 2017 mit dem Zugang eines dreiköpfigen Teams um Martin Kaiser von Baker McKenzie und Hogan Lovells International LLP holte sich zum Jahreswechsel 2017/ 2018 ebenso ein dreiköpfiges Team bestehend aus Jochen Seitz, Peter Maier und Counsel Markus Brusch von Mayer Brown LLP.

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