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Deutschland > Restrukturierung und Insolvenz > Marktüberblick

Redaktionelle Abschnitte

Aufgrund der relativ guten wirtschaftlichen Konjunktur und den anhaltend niedrigen Leitzinsen blieb der deutsche Insolvenz- und Restrukturierungsmarkt weiterhin ziemlich ruhig. Mit insgesamt 20093 Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2017 lag deren Anzahl um 6,6 % niedriger als im Vorjahr und machte somit den niedrigsten Stand seit 1999, dem Jahr, in dem die neue Insolvenzordnung in Kraft trat, aus. Auch 2018 zeichnete sich kein nennenswerter Trendwechsel ab.

Für Insolvenzverwaltungen ergibt sich daraus eine schwierige Situation. Erstens mündet die geringe Anzahl an Insolvenzen in eine Marktkonzentration durch eine zunehmende Anzahl von Kanzleizusammenschlüssen auf dem Markt. Einige Martkteilnehmer gehen allerdings auch den gegensätzlichen Weg und spalten sich von Großkanzleien ab, um sich in ihrer Marktnische einen Namen zu machen. Zweitens drängen immer mehr Insolvenzverwaltungen in den Restrukturierungsmarkt, denn man sieht darin eine Vielzahl von Vorteilen für die bis dato klassischen Insolvenzverwaltungen: Unter anderem sind sie durch die vorinsolvenzliche operative Restrukturierung nicht alleine auf das Aufkommen einer Insolvenz angewiesen, sondern können sich durch das frühere Engagement ein Stück weit von der Konjunktur und der Anzahl der Insolvenzen unabhängig machen; außerdem ist ihr Auskommen nicht allein von der oftmals bescheidenen Insolvenzmasse insolventer Unternehmen abhängig. Lukrative Unternehmen außerhalb einer Insolvenz, die mit Restrukturierungsmaßnahmen auch in wirtschaftlich guten Jahren ein zukunftsträchtige Unternehmensstrategie aufbauen und sich für schwierigere Zeiten wappnen möchten, können somit als Mandanten gewonnen werden. Mit der operativen Restrukturierung in wirtschaftlicher Schieflage geratener Unternehmen, der Anfechtung von Gläubigeransprüchen notleidender Unternehmen, der Beratung potenzieller Investoren, der Vertretung von Gläubigern bei der Durchsetzung von Haftungsansprüchen, sowie der Initiierung von Gerichtsprozessen gegen Restrukturierungskanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wächst die Anzahl potenzieller Mandanten und das Tätigkeitsspektrum für im Restrukturierungsmarkt teilnehmende Insolvenzverwaltungen beträchtlich. Diesen Vorteilen steht allerdings auch die teils harte Konkurrenz entgegen, die durch das Drängen einer zunehmenden Anzahl von Insolvenzverwaltungen in den Restrukturierungsmarkt unweigerlich entsteht.

Trotz der sogenannten Pleiteflaute blieb der Markt nicht gänzlich von der Großinsolvenz bekannter Konzerne verschont. 2017 und 2018 erschütterten bundeweit und international vor allem die Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin und ihrer Tochtergesellschaft Fly Niki, des Solarunternehmens Solarworld, des Küchenherstellers Alno, der Schifffahrtsgesellschaft Rickmers Holding, des Erotikunternehmens Beate Uhse, des Airbagherstellers Takata, sowie des Spielzeugeinzelhändlers Toys’R’Us die jeweiligen Branchen. In einigen Fällen; wie der von Takata und Toys’R’Us; konnte die Insolvenz der europäischen und deutschen Ableger durch umfassende Restrukturierungsmaßnahmen verhindert werden. Viele Insolvenzen von Großunternehmen und mittelständischen Betrieben waren dabei gar nicht konjunkturbedingt. Die Ursachen lagen oftmals in dem Geschäftsmodell, dem Wettbewerbsvorteil ausländischer Unternehmen durch Subventionen, den Effekten von Produktionsverlagerungen, sowie einem veränderten Konsumverhalten mitsamt des Vormarsches des Onlinehandels, einem erstarkenden Umweltbewusstein, sowie diversen Sicherheits- und Gesundheitsstandards. Dementsprechend war eine Konzentration von Insolvenzen und Restrukturierungsbedürftigkeit in einigen bestimmten Branchen zu verzeichnen. Dazu gehörten zum Beispiel die Automobilzuliefererindustrie unter anderem wegen des Diesel-Abgasskandals und im Falle von Takata wegen defekter Airbags, sowie von Einzelhandelskonzernen und der Möbelindustrie aufgrund der starken Onlinekonkurrenz. Wie in den Vorjahren waren auch Start-ups von Insolvenzen und Überschuldungen betroffen, da zur Etablierungen auf dem Markt auf Fremdkapital gesetzt wird.

Falls eine Insolvenz unvermeidlich wird, setzen Unternehmen vermehrt auf Eigenverwaltungen und konsultieren dafür in Absprache mit Insolvenzgerichten Sachwalter statt Insolvenzverwalter. In diese Kategorie fällt auch das US-amerikanische Chapter 11 Verfahren, das in der deutschen Praxis in bestimmten Aspekten imitiert wird. Für die insolventen Unternehmen bietet eine Eigenverwaltung eine Reihe von Vorteilen gegenüber der klassischen Insolvenzverwaltung. Erstens bietet die größere geschäftliche Autonomie mehr Raum für die Gestaltung des Verfahrens nach eigenen Interessen. Zweitens können unter Umständen Geschäftsgeheimnisse besser gewahrt werden. Drittens ist eine Eigenverwaltung vorteilhafter für den Ruf des Unternehmens, da eine Insolvenzverwaltung deutlich stärker mit unternehmerischem Versagen konnotiert wird als ein Eigenverwaltungsverfahren, welches auf eine Sanierungsfähigkeit aus eigener Kraft hindeutet.

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