Zurück zu Deutschland

Marktüberblick in Deutschland

Die Rundum-Beratung der Lebensmittelbranche sowie in den Nischen Nahrungsergänzungsmittel, Futtermittel, Kosmetik und Tabak als auch dem breiter gefassten Konsumgütersektor ist im Wesentlichen interdisziplinär. Produktbezogene Fragen reichen von der Konzeption, Klassifikation, Kennzeichnung und Verpackung bis hin zur Vermarktung, Sicherheit und Compliance. So spielen neben der vertrags-, vertriebs- und wettbewerbsrechtlichen Betreuung oftmals auch die strategische Beratung sowie die Unterstützung im Krisenmanagement, bei der Produkthaftung und bei Produktrückrufen eine wichtige Rolle. Dabei bedarf es in diesem besonders dynamischen und von rechtlichen Neuerungen und Änderungen geprägten Rechtsgebiet insbesondere regulatorischer Expertise. Somit bildet die Vertretung von Mandanten in Auseinandersetzungen vor den Behörden sowie vor Gericht einen Eckpfeiler fast jeder in diesem Bereich tätigen Praxis. Im Bereich der Abgrenzungsfragen erfolgt die Beratung außerdem regelmäßig an der Schnittstelle zum Pharma- und Arzneimittelrecht sowie zum Kosmetikrecht.

Zu den aktuellen Themen, denen sich mehrere zukunftsorientierte Praxen widmen, gehört unter anderem die Beratung zu Hanf- und Cannabis-Produkten, wie CBD, dessen Zulassung als neuartiges Lebensmittel bisher nicht erfolgt ist. Andere regelmäßig abgefragte Themenfelder betreffen die Vermarktung von Nahrungsergänzungsmitteln und Nutzinsekten als Lebensmittel.

So manche inhaltlich und rechtlich ohnehin schon sehr breit aufgestellte Praxis wendet sich zudem vermehrt angrenzenden Beratungsbereichen zu, wie beispielsweise dem Natur-, Umwelt- und Pflanzenschutzrecht sowie dem Tierschutzrecht, wo Nachhaltigkeitsthemen eine verstärkte Rolle einnehmen. Daneben sehen einige Marktteilnehmer auch den Bereich Verbraucherschutzrecht als zukunftsträchtiges Geschäft.

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie lag bei einigen Praxen ein starker Fokus auf der Beratung zur betrieblichen Organisation sowie auf der Begleitung von behördlichen und gerichtlichen Verfahren im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz. Zudem verspürten zahlreiche Kanzleien Covid-19-bedingt einen verstärkten Beratungsbedarf im Biozid- und Chemikalienrecht.

Bei der Beratung unerlässlich ist außerdem die naturwissenschaftliche Expertise, die anhand externer oder hauseigener Naturwissenschaftler sowie teilweise gesamter Schwesterunternehmen wie beispielsweise meyer.science bei Meyer Rechtsanwälte und die RDA Scientific Consultants GmbH bei Meisterernst Rechtsanwälte einbezogen wird.

Ein Merkmal der Lebensmittelrechtler ist die regelmäßige Tätigkeit für die in der Branche relevanten Verbände und Vereine beziehungsweise die Mitgliedschaft oder Einnahme einer führenden Stellung in Verbänden. Auch regelmäßige für den Rechtsbereich relevante Publikationen sind für viele ein selbstverständlicher Teil der Arbeit.

Der deutsche Kanzleimarkt im Lebensmittelrecht ist überschaulich und umfasst größtenteils etablierte Player, die das Rechtsgebiet von Beginn an aktiv mitgestalten haben. Die Beratung wird überwiegend in spezialisierten Einheiten angeboten, da nur wenige Großkanzleien ein profitables Geschäft darin sehen beziehungsweise die für den Bereich übliche Dauerberatung oft nicht in die Struktur größerer nationaler und internationaler Sozietäten passt. Ausnahmen hierfür sind Gleiss Lutz und Squire Patton Boggs, die mit Andreas Wehlau und Christofer Eggers über erfahrene Lebensmittelrechtler verfügen. CMS und Hogan Lovells International LLP setzen auf einen interdisziplinären Sektorfokus im Bereich Konsumgüter, und Noerr fährt mit der Food & Feed-Gruppe einerseits und der Product Compliance-Praxis andererseits einen zweigleisigen Ansatz, um die Lebensmittelbranche zu bedienen.

Top-Kanzleien in diesem Segment decken die gesamte Bandbreite an Beratungsfeldern ab und sind in allen Teilsektoren tätig. meyer.rechtsanwaltsgesellschaft mbH und Meisterernst Rechtsanwälte sind die zwei Platzhirsche in München, die seit 2011 getrennte, wenn auch gleichermaßen erfolgreiche Wege gehen. In Hamburg beherbergen die Einheiten Krohn Rechtsanwälte und Zenk Rechtsanwälte seit über drei Jahrzehnten die Pioniere des Lebensmittelrechts. Auch die Boutique KWG Rechtsanwälte hat einen 30-jährigen Erfahrungsschatz in diesem Bereich und hält trotz Umschwung auf personeller Ebene in den vergangenen Jahren an ihrer marktführenden Position fest.

Andere spezialisieren sich auf bestimmte Aspekte, wie beispielsweise Erzeugnisse tierischen Ursprungs, wie im Falle des KWG Rechtsanwälte-Spin-offs cibus Rechtsanwälte ersichtlich wird, oder auf Lebensmittel mit Gesundheitsbezug und die Schnittstelle zu Arzneimitteln, wie bei Forstmann & Büttner, King & Spalding LLP und KOZIANKA & WEIDNER Rechtsanwälte.

Ein bereits länger zurückreichender Trend ist neben der Abspaltung kleinerer Spin-offs auch die Abspaltung einzelner Anwälte, die sich erfolgreich in schlanker Aufstellung als Einzelkämpfer im Markt positionieren. Astrid Hüttebräuker von Hüttebräuker Rechtsanwälte und Danja Domeier von domeierlegal beschlossen jeweils bereits 2012 und 2013 sich von Großkanzleien und Boutiquen zu trennen, während jüngst die vormals bei Gowling WLG tätige Ina Gerstberger im Juli 2019 ihre eigene Einheit Gerstberger Products & Law eröffnete. Auch Andreas Reinhart, der vormals bei meyer.rechtsanwaltsgesellschaft mbH tätig war, machte sich 2016 zusammen mit der ebenfalls im Lebensmittelrecht beratenden Stephanie Reinhart unter dem Banner REINHART Rechtsanwälte Partnerschaft mbB selbstständig.

Ein Dauerbrenner ist das Thema Nachwuchs, da die Beratung im Lebensmittelrecht viel praktische Erfahrung, eine gute Vernetzung mit den Behörden und der Branche insgesamt als auch tiefgreifende Expertise hinsichtlich der sich ständig ändernden Rechtslage verlangt. Laut Anwälten hält sich das Interesse der jüngeren Generation, in diesem Segment eine Karriere zu verfolgen, in Grenzen, was sich in der aktuellen Teamaufstellung vieler in diesem Bereich tätigen Kanzleien widerspiegelt; die Expertise der jeweiligen Teams hängt stark von erfahrenen Partnern ab.