Marktüberblick in Deutschland

Die Auswirkungen der Covid-19-Krise machten auch vor bank- und finanzrechtlichen Teams keinen Halt. So stieg mit den zunehmenden Aktivitäten der Aufsichtsbehörden, die als Reaktion auf die Krise zahlreiche aufsichtsrechtliche Regeln und Erleichterungen erließen, der bankaufsichtsrechtliche Beratungsbedarf erheblich an. Kanzleien mit Fokus auf die Bankenberatung beschäftigten sich mit zahlreichen Mandatierungen zur Zulässigkeit der Auszahlung von Dividenden und Boni sowie zu Förderkrediten und Moratorien einschließlich damit einhergehender Verpflichtungen.

Daneben berichteten auch FinTech-spezialisierte Kanzleien von einem Anstieg in der Mandatsarbeit. Indirekt ist auch dieser mit den Auswirkungen der Covid-19-Krise in Zusammenhang zu setzen, wenngleich die Corona-Krise hier lediglich eine beschleunigende und keine auslösende Rolle einnahm. So zeichnete sich bereits in den letzten Jahren ein erheblicher Ausbau neuer technischer Modelle beziehungsweise eine zunehmende Digitalisierung des Bankengeschäfts ab. Somit drängen einerseits neue Player in den Finanzmarkt beziehungsweise bauen ihre Stellung im Bankmarkt weiter aus und andererseits etablieren sich auch immer mehr FinTechs im Markt. Diese Geschäftsaktivitäten versorgten Kanzleien mit Mandatierungen zu Erlaubnisanträgen und dem Ausbau bestehender Geschäfte sowie zur Tokenisierung und der Einführung neuer Produkte wie Kryptowährungen.

Diese digitalen Vermögenswerte werden seit dem Jahreswechsel 2019/ 2020 durch das Gesetz zur Umsetzung der Änderungsrichtlinie zur Vierten EU-Geldwäscherichtlinie reguliert. Diese Regelung soll zum einen zur Bekämpfung von Geldwäsche beitragen – einem weiteren Themenfeld, das die Compliance-Beratungskapazitäten zahlreicher aufsichtsrechtlicher Teams beanspruchte – und zum anderen schreiben sie Unternehmen, die mit ihrem Geschäftsmodell auf Bitcoins oder andere Kryptowährungen setzen, eine BaFin-Erlaubnis vor.

Im Bereich der Erlaubnisverfahren sorgt auch Brexit weiterhin, wenn auch abgeschwächt, für Beratungsbedarf im Rahmen der Geschäftsneuaufstellung von Finanzdienstleistern. Mit diesem Themenfeld befassen sich vorwiegend bank- und finanzrechtliche Teams mit standortübergreifenden und multijurisdiktionalen Kapazitäten.

Neben den aufsichtsrechtlichen Praxen berichten auch Finanzierungsabteilungen von einer starken Auftragslage, die Covid-19-spezifische Themen aufwarf. In erster Linie betraf dies die Aufnahme von Rettungslinien und Sonderprogrammen der KfW, die der Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Krise galten, sowie restrukturierungsnahe Finanzierungen, wenngleich sich auch Unternehmen, die weniger stark von den wirtschaftlichen Auswirkungen betroffen waren, vorsorglich mit Kapital versorgten. Die Finanzierungsberatung unterliegt hierbei zweier Trends: Zum einen nimmt die Komplexität von Finanzierungsstrukturen weiterhin zu, wovon vor allem Praxen mit robusten DCM-Kapazitäten profitieren, und zum anderen wird auch die Kreditgeberlandschaft immer facettenreicher. Dies zeigt sich im verstärkten Auftreten von Versicherungen, Fonds und Schattenbank-Konstruktionen, die vermehrt in die Fußstapfen von klassischen Baken treten, nicht zuletzt, da alternative Finanzierer in der Regel flexiblere Konditionen anbieten können. Allen voran bilden Debt-Fonds mittlerweile einen fixen Bestandteil des Mandantenstammes vieler Kanzleien, die sich auf die kreditgeberseitige Beratung spezialisieren.

Dies betrifft auch den Immobilienfinanzierungsbereich, wo sich im Berichtszeitraum zahlreiche Projektentwicklungen durch Debt-Fonds finanzierten und somit mit den Pfandbriefbanken konkurrierten, wenngleich sich in der ersten Jahreshälfte 2020 auch im deutschen Immobiliensektor die durch Covid-19 verursachte Volatilität spürbar machte. Folglich wurden einige bevorstehende oder geplante Deals verschoben. Aufgrund des anhaltenden Investitionsdrucks erwarten sich Kanzleien jedoch eine zügige Erholung.

Dieser Investitionsdruck geht weiterhin mit dem Niedrigzinsumfeld einher, wodurch sich der Anlagedruck für Investoren weiterhin intensiviert. Trotz aktueller gedämpfter Investorenaktivitäten erwartet man sich auch hier ein starkes Comeback und insbesondere eine verstärkte Nachfrage nach alternativen Anlagen, da klassische Anlagen wenig rentierlich sind. In der Rechtsberatung erfordert diese Anlageberatung ein hohes Maß an Spezialisierung, dem die jeweiligen Teams mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen auf diverse Assetklassen wie Immobilien, Private Equity, Infrastruktur und Erneuerbare Energien einerseits und auf verschiedene Fondstypen andererseits gerecht werden.

Am aufsteigenden Ast befinden sich insbesondere Green-Fonds und andere nachhaltige Investitionsformen, die durch die Offenlegungsverordnung der EU, die 2021 in Kraft treten soll, noch weiter an Bedeutung gewinnen werden. Daneben erwarten Finanzierungspraxen eine deutliche Zunahme an Restrukturierungen, zum einen in den Automobil- und Zuliefererindustrien, die mit Transformationsschwierigkeiten zu kämpfen haben, und zum anderen von Unternehmen, die die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Krise nicht überstanden.

Signifikante personelle Veränderungen hielten sich im Berichtszeitraum zwar in Grenzen, blieben jedoch nicht aus: So schloss sich Finanzierungstransaktionsexperte Ralf Defren im August 2019 Willkie Farr & Gallagher LLP von Hengeler Mueller an, wechselte jedoch bereits Ende 2020 zu Weil, Gotshal & Manges LLP, während Taylor Wessing im Januar 2020 den Investmentrechtsexperten Volker Baas an GSK Stockmann verlor und Bankaufsichts- und Investmentrechtsexpertin Anna Izzo-Wagner im Juni 2020 an Annerton Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Sie eröffnete folglich den Frankfurter Standort der Anfang 2020 gegründeten Kanzlei. Außerdem verstärkte sich GSK Stockmann bereits im November 2019 mit dem in aufsichtsrechtlichen Fragen und der Vertretung in Rechtsstreitigkeiten und internen Untersuchungen erfahrenen Okko Hendrik Behrends von DLA Piper. Einen echten Coup landete außerdem Milbank Ende 2020 durch den Einstieg von Barbara Mayer-Trautmann von Clifford Chance, wo sie die Co-Leitung der Kreditfinanzierungspraxis inne hatte.