Marktüberblick in Deutschland

Nach wie vor gehören Gesellschaftsrecht und M&A-Transaktionen zum Brot-und-Butter-Geschäft der Mehrzahl deutscher Anwaltskanzleien, wobei die fortschreitende Digitalisierung und damit einhergehender Datenschutz neue Fragestellungen aufwerfen, die auch die Corporate-Anwaltschaft kontinuierlich beschäftigt. So wurde im Juni 2019 eine neue europaweite Richtlinie vom Europäischen Parlament festgelegt, die diverse gesellschaftsrechtliche Abläufe vereinheitlichen soll, wie unter anderem die Online-Gründung von Gesellschaften sowie die vermehrte Nutzung und Verwendung von digitalen Werkzeugen; darüber hinaus soll auch die grenzüberschreitende Gesellschaftsgründung für Unternehmen stark vereinfacht werden.

Zudem sorgte Großbritanniens Austritt aus der Europäischen Union auch im Berichtszeitraum für eine gute Auslastung der Gesellschaftsrechtspraxen: Neben Beratungen zu Umwandlungen vor Ablauf der Übergangsfrist im Dezember 2020 benötigten zahlreiche multinationale Unternehmen rechtlichen Beistand bei der Verlegung ihrer Haupt- und Unternehmenssitze, um wirtschaftlich bestmöglich für jedwedes Vertragsresultat zwischen UK und EU aufgestellt zu sein.

Doch nicht nur beim Gesellschaftsrecht gab es neue Richtlinien, auch M&A-Praxen mussten sich auf Änderungen einstellen. Das Außenwirtschaftsrecht wurde 2019/2020 in Bezug auf Inbound-Transaktionen nochmals erweitert, so dass Transaktionen in den Sektoren wie Telekommunikation, Pharma und Automotive nun stärker überprüft werden, bevor eine eventuelle Genehmigung erteilt werden kann. Durch den Start der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 wurden die Richtlinien zum Außenwirtschaftsgesetz ein weiteres Mal ausgeweitet, um Transaktionen zu regulieren, die unter anderem Impfstoffhersteller und Pharmaunternehmen betreffen.

Als unmittelbare Konsequenz der Corona-Pandemie wurden viele Transaktionen zunächst auf Eis gelegt, jedoch scheint sich der Markt langsam wieder zu erholen, wobei eine leichte Verschiebung zu einem Käufermarkt beobachtet werden konnte. Beim Gesellschaftsrecht hat sich der Beratungsbedarf, wenn überhaupt, nochmals gesteigert, auch da beispielsweise die Regelungen zu Virtuellen Hauptversammlungen im März und April für alle Beteiligten rechtliches Neuland darstellten. In Kombination mit der Aussetzung der Insolvenzanmeldepflicht bis Herbst 2020 wird zudem eine Zunahme an Insolvenzen und Distressed M&A-Transaktionen erwartet.

Des Weiteren wird eine Zunahme der gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten antizipiert, oftmals in Kombination mit Insolvenzen und Distressed M&A, was bereits im Laufe des Jahres 2020 dazu führte, dass viele Kanzleien ihre Litigation- und Restrukturierungsteams verstärkten.

Auch auf Kanzleienebene gab es viel Bewegung am Markt: Die Energierechtler Werner Brickwedde  und Martin Weitenberg wechselten von Clifford Chance zu Eversheds Sutherland, die zudem Michael Prüßner von Pinsent Masons Germany LLP begrüßen konnten. Ein vierköpfiges Team, bestehend aus Natalie Daghles, Martin Neuhaus, Rainer Wilke und Harald Selzner, wechselte im Herbst 2020 von Latham & Watkins LLP zu Noerr. Stark vergrößern konnte sich des Weiteren das Team von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, das neben dem Counsel Marc Oliver Stock von Allen & Overy LLP, Volker Schulenburg von Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auch ein sechzehnköpfiges, gesellschaftsrechtliches Team vom Kölner Standort der DWF Germany Rechtsanwaltsgesellschaft mbH für sich gewann. Dentons verstärkte sich zuletzt ebenfalls mit einigen Neuzugängen: Robert Weber kam von White & Case LLP, Frank Tepper-Sawicki von PwC Legal (PricewaterhouseCoopers Legal AG Rechtsanwaltsgesellschaft) und Predrag Maksimovic von der IKB Deutsche Industriebank; Michael Krömker und Of Counsel Xi Xie wechselten im Dezember 2020 von Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH zum Team.