Marktüberblick in Deutschland

Im deutschen Gewerblichen Rechtsschutzmarkt waren Veränderungen in der Beratung sowohl durch ökonomische als auch durch rechtliche Gründe bedingt. Der interne Kostendruck bei den Mandanten ist weiterhin auch klar bei den Kanzleien zu spüren. Der Trend zur Kosten- und Zeitersparnis durch Einsatz von LegalTech setzt sich dementsprechend weiter fort. Damit geht insbesondere bei internationalen Kanzleien die Mandatierung zu grenzüberschreitenden Themen einher, die für Mandanten eine bürounabhängig hohe Beratungsqualität vorausgesetzt und auch immer öfter mit Kostenvorteilen verbunden ist. Den unabhängigen deutschen Kanzleien gelingt es dennoch weiterhin, sich am Markt erfolgreich zu behaupten.

Inhaltlich war zu beobachten, dass die Nachfrage nach strategischer Portfolioberatung sowohl im Marken- als auch im Designrecht weiter ansteigt. Sowohl etablierte Großunternehmen als auch Start-ups legen zunehmend Wert auf den optimalen Schutz ihrer Brands, was sich auf Kanzleiseite teils in Form speziell auf Start-ups zugeschnittener Teams, teils in einem Anstieg international besetzter Teams widerspiegelt.

Das Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen löste durch den Markt hinweg hohen Beratungsbedarf aus. Die ersten Verfahren sind bereits bei den Gerichten rechtshängig und auch 2020 dürfte der Geschäftsgeheimnisschutz in aller Munde bleiben. Die Schnittstelle von Wettbewerbsrecht und Urheberrecht wird zunehmend für Unternehmen relevant und ist eine größtenteils durch die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft vorangetriebene Entwicklung. Im Markenrecht sorgte überwiegend das Markenrechtsmodernisierungsgesetz für Anpassungsbedarf bei der Beratung.

Im Patentrecht kommen die großen Mandate weiter aus der Schnittstelle von Automobil- und Technologiesektor. Zwar ist mit dem Patentpool Avanci eine Lösungsmöglichkeit für Lizenzierungen am Markt etabliert, von Unternehmens- und Kanzleiseite wird aber weiter nach anderen Optionen gesucht, die sowohl den Interessen der Automobilhersteller als auch den Interessen der Technologiezulieferer gerecht werden. Daneben spielen ergänzende Schutzzertifikate, Second-Medical-Use-Patente und Biosimilars weiterhin eine große Rolle für Patentrechtler. Das Thema UPC (Unified Patent Court) hingegen wird nun nur noch mit einem Achselzucken kommentiert, sowohl von denjenigen, die weiter fest mit dem Start des Gerichts rechnen als auch von denjenigen, die ein erfolgreiches Ende der jahrzehntelangen Planungen für das Einheitsgericht mittlerweile für ausgeschlossen halten. Spätestens 2020 sollte das Bundesverfassungsgericht über die ihm vorgelegte Verfassungsbeschwerde entschieden haben. Ob bis dahin Klarheit zur konkreten Gestalt des Brexit und seiner Auswirkungen auf das UPC herrschen wird, gilt weiterhin als unsicher.

Die wichtigsten Personalwechsel im Marken- und Wettbewerbsrecht fanden bei den großen Kanzleien statt. So beispielsweise bei Bird & Bird, deren ehemaliger Senior Counsel Sebastian Fischoeder im September 2019 zu Taylor Wessing wechselte. Der ehemalige Taylor Wessing-Partner Jan Schumacher wiederum verließ im Mai 2019 die Kanzlei, um Gründungspartner der Kölner Kanzlei Schmitt Teworte-Vey Simon & Schumacher zu werden. BEITEN BURKHARDT holte sich im September 2018 mit Salary Partner Laureen Lee, vormals Senior Associate bei Baker McKenzie, Unterstützung für den Bereich IP und IT ins Haus. FPS verstärke sich im Herbst 2019 mit Equity Partner Thomas Stein und Associate Partner Sarah Petereit, die beide von Winterstein Rechtsanwälte kommend zum Frankfurter Team stießen. Wildanger Kehrwald Graf v Schwerin & Partner mbB vergrößerte das Team zu Jahresbeginn 2019 mit Alexander Reetz, ehemals Counsel bei Hogan Lovells International LLP.