Marktüberblick in Deutschland

Im Außenwirtschaftsrecht ist die Investitionskontrolle ein zentrales Trendthema, das durch die AWV- und AWG-Novellen von 2020 und 2021 sowie die EU-Screening-Verordnung aus dem Oktober 2020 nunmehr an Bedeutung gewinnt. Transaktionen mit Auslandsbezug werden zunehmend reguliert und verschärft, was für Unternehmen und Investoren einen erhöhten Beratungsbedarf zur Folge hat. Insbesondere chinesische Investoren unterliegen zunehmend kritischeren Überprüfungen, und es werden mehr Ausweitungen der Investitionskontrolle erwartet. Das führt zu einer Steigerung der Notwendigkeit der Anmeldungen von Investition vor dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).Darüber hinaus komplizieren ein gesteigerter Protektionismus und wandelnde Sanktionen die Handlungsmöglichkeiten im Außenhandel und verlangen besondere Sorgfalt von Unternehmen. Globale politische Spannungsfelder, beispielsweise zwischen den USA und China, und ein zuletzt starkes sanktionsrechtliches Vorgehen der EU gegen Belarus tragen zur Verdichtung der ohnehin vielschichtigen Rechtslage bei.Die produktsicherheitsrechtliche Aufstellung vieler Unternehmen wurde vom Inkrafttreten der neuen europäischen Marktüberwachungsverordnung im Juli 2021 maßgeblich beeinflusst. Hierdurch soll verhindert werden, dass schädliche und nicht-konforme Produkte besonders im Rahmen der komplexen Lieferketten im Onlinehandel auf den europäischen Markt eindringen. Zudem soll das vom deutschen Bundestag beschlossene Lieferkettensorgfaltsgesetz ab 2023 gelten und beschäftigt auch jetzt bereits Kanzleien in der vorsorglichen Beratung ihrer Mandantschaft zu diesem Thema. Im Rahmen dessen gewinnen menschenrechtliche Fragestellungen immer mehr an Bedeutung und stellen einen Trend dar, der sich bis zum Inkrafttreten des Gesetzes sicherlich noch weiter ausweiten wird.Durch die Covid-19-Krise entstanden auch im Handel, Vertrieb und Logistik ausschlaggebende Umwälzungen: Hierzu zählen die Unterbrechung und Umstrukturierung von Lieferketten, die Umstellung vieler Händler auf den Onlinevertrieb und die Ausarbeitung alternativer Geschäftsmodelle. Force Majeure-Klauseln wurden zudem maßgeblich in Anspruch genommen und ausgehandelt.Nachhaltigkeit, ESG und Digitalisierung sind hier ebenfalls Trendthemen, die branchenübergreifend die Rechtsberatung bestimmen und vom Digitalisierungsdrang seit Beginn der Pandemie angetrieben werden. Unternehmen und Hersteller kommen somit gar nicht mehr ohne digitale Ansätze aus, sei es in Form von E-Commerce, neuen Zahlungsarten oder Supply Chain Technology.Ferner transformieren sich Daten selbst zunehmend zu einem Kaufgegenstand. Hinsichtlich dieser Entwicklungen sind Kanzleien immer stärker gefordert, besondere Expertise an den Schnittstellen zum IP-, IT- und Datenschutzrecht zu stellen. Die globale Halbleiterkrise und die allgemeine Knappheit vieler Produktionsmaterialien stellte im Berichtszeitraum einen wichtigen Beratungspunkt für Kanzleien dar. Deren Branchenschwerpunkte im deutschen Markt liegen nämlich oftmals in der Automobilbranche, die besonders mit dem Mangel an Computerchips zu kämpfen hatte. Die erwartete Erholung des Auto-Absatzes nach dem pandemiebedingten Tiefpunkt 2020 blieb aus, größtenteils bedingt durch eine gebremste Produktionsmöglichkeit.Auch im Handels-, Vertriebs- und Logistikrecht berichtet man von einer erhöhten Streitbereitschaft der Beteiligten, die angesichts eines verhärteten Markts und zahlreicher Störungen in den Lieferketten weniger willig sind, streitige Angelegenheiten außergerichtlich zu begleichen.Der Anwaltsmarkt brachte indes einige Veränderungen auf Partnerebene mit sich: Claus Zimmermann wechselte im Dezember 2020 von Sidley Austin LLP zu Noerr, während Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH sich mit Klaus Brisch und Marco Müller-ter Jung (zuvor bei DWF) im Bereich Digital Business verstärkte. GvW Graf von Westphalen holte sich im Oktober 2020 zum Ausbau des Stuttgarter Büros Marcus Schriefers von Heussen Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Im Mai 2020 stieß Christiane Zedelius zu Dentons hinzu und baut dort eine eigene Commercial-Praxis auf.