Zurück zu Deutschland

Marktüberblick in Deutschland

Der deutsche Bau- und Immobilienmarkt erfuhr insbesondere in den vergangenen Jahren einen Auftrags- und Preisboom, wobei die Nachfrage das Angebot in zahlreichen Assetklassen stets überstieg und sich nationales und internationales Anlegervertrauen in deutsche Immobilien ungebrochen vertiefte. Nach einem guten Start in das Jahr 2020 sah sich die Volkswirtschaft aufgrund des durch die Corona-Pandemie stark beeinträchtigten Wirtschaftslebens der tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt, eine Entwicklung die ebenfalls, wenn auch nicht homogen, in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu spüren war.

So trotzte vor allem der Wohnimmobilienmarkt den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Krise: Die Kombination aus Bauflächen- und Objektmangel, demografisch bedingter hoher Wohnungsnachfrage, beständig niedrigen Zinssätzen sowie derzeitig fehlenden Anlagealternativen haben den Preisanstieg von Häusern und Wohnungen sowohl städtisch als auch auf dem Land weiter, wenn auch langsamer als zuvor, fortgesetzt. Als mittelbare Konsequenzen der pandemieeindämmenden Maßnahmen erfuhr der Logistikbereich einen Einnahme- und Wertanstieg, der in höhere Transaktionstätigkeit mündete, während der Bürosektor trotz seiner Wertstabilität Transaktionseinbrüche verzeichnete; die langfristigen Folgen und ein damit einhergehender eventueller struktureller Richtungswechsel hin zum Homeoffice, aber auch dem sicheren Zusammenarbeiten im Büro, werden den immobilienrechtlichen Beratungsbedarf in dieser Assetklasse in Zukunft sicherlich weiterhin prägen. Besonders hart traf es die Hotellerie sowie den Textileinzelhandel, die sich anhaltend mit massiven Einnahme- und Wertverlusten sowie Investitionszurückhaltung konfrontiert sehen, welche zu einer derzeitigen Transaktionsflaute in diesen Bereichen führen. Abzusehen bleiben zudem die Implikationen der Pandemie auf kommunale Investitionen sowie die Umsetzung daraus finanzierter Infrastrukturmaßnahmen.

Dank des regen Transaktionsgeschehens im Vorjahr sowie in den Monaten Januar bis März und einem lediglich vereinzelt eingebrochenen Marktes sowie weitesgehend geöffnet gebliebenen Baustellen, zeigte sich auch die Bauwirtschaft robust, wobei sich das prognostizierte Wachstum 2020 auf 1,8% beläuft. Allerdings ist aufgrund der anhaltenden Pandemie mit steigender Investitionsunsicherheit zu rechnen, die insbesondere im Bereich der Produktions-, Büro- und Einzelhandelsimmobilien mittelfristig zu einem Abschwung beitragen könnte.

Abseits pandemiebedingter Verschiebungen des Marktes sorgten ebenfalls diverse rechtliche Neuregelungen für Aufmerksamkeit in der Branche sowie in denen im Immobilien- und Baurecht tätigen Kanzleien: Insbesondere das „Gesetz zur Neuregelung gesetzlicher Vorschriften zur Mietenbegrenzung“, das neben dem Einfrieren von vor einem bestimmten Stichtag vereinbarten Mieten sowie absolute Mietobergrenzen für Neuvermietungs- und Bestandsmieten vorsieht und vom Berliner Abgeordnetenhaus am 30. Januar 2020 beschlossen wurde, sorgt weiterhin öffentlich für Diskussionen. Das im Volksmund als Mietendeckel bekannte Gesetz gilt als verfassungsrechtliches Pilotprojekt für Mietgesetze anderer Bundesländer, jedoch sind bereits zum jetzigen Zeitpunkt verfassungsgerichtliche Überprüfungen in der Vorbereitungsphase.

Des Weiteren spielt auch der Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Grunderwerbssteuergesetzes, der jedoch seit Oktober 2019 zwischen den Regierungsfraktionen festhängt, im Immobilienbereich weiterhin eine Rolle. Die geplante Gesetzesnovelle soll der Grunderwerbssteuervermeidung bei großen Immobilientransaktionen im Wege von Anteilskäufen entgegenwirken. Diese von Bauträgern und Projektentwicklern häufig genutzten Share Deals würden nach Inkrafttreten des Gesetzes aufgrund einer von 95% auf 90% herabgesetzten Beteiligungsschwelle und einer Verlängerung der Haltefrist auf zehn Jahre zunehmend unattraktiv gestaltet, was sich laut Branchenexperten jedoch kontraproduktiv auf den in Deutschland weiterhin benötigten Wohnungsneubau auswirken könnte.