Marktüberblick in Deutschland

In den Immobilien- und Baubranchen herrscht laut den in diesem Bereich aktiven Kanzleien eine trotzige Stimmung, ausgelöst durch die Unsicherheit rund um die am 25. März 2019 in Kraft tretende Änderung zum Grunderwerbssteuergesetz (GrEStG).



In der Immobilienbranche treffen Marktteilnehmer nach wie vor auf eine akute Produktknappheit, die teilweise durch die niedrige Zinspolitik der Europäischen Zentralbank getrieben wird und einen Aufschwung in Forward Deals nach sich zieht. Dementsprechend verschiebt sich die Investitionslandschaft allerdings derart, dass das bisher relativ unbeackerte Feld Spezialimmobilien nun in den Vordergrund rückt. Infolgedessen gewinnen Assetklassen wie Rechenzentren, Mikroapartments und Kliniken wesentlich an Bedeutung. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Einkaufszentren im Zeichen der Digitalisierung des Einzelhandelssektors, eine Entwicklung die außerdem die Verwandlung von Gewerbearealen in gemischt genutzte Veranstaltungsorte begünstigt.



Der durch die GrEStG veranlassten Unsicherheit liegt auch die stetig zunehmende Beliebtheit von Share Deals zugrunde, die sich in den vergangenen Monaten in der Erscheinung des mehrstufigen Unity-Deals niedergeschlagen hat. Angesichts des immer schneller fließenden Kapitalstroms aus dem Mittleren und Fernen Osten ist vor allem unter den Großkanzleien ein strategischer Richtungswechsel, der sich zunehmend auf den asiatischen Markt fokussiert, zu beobachten. Des Weiteren wird aufgrund der Brexit-Wirkung mit einem gewissen Wachstum an ausländischen Immobilien-Investitionen innerhalb Deutschlands gerechnet.



Die Baubranche erlebt auch eine Umbruchphase, die aber statt des Abwendens von finanziellen Verlusten hauptsächlich auf die Streitvermeidung abzielt. Daraus erklärt sich nicht nur die steigende Konjunktur im Bereich Alternative Dispute Resolution, sondern auch die zunehmende Bevorzugung unter Baubeteiligten von Mehrparteienverträgen, anhand derer sowohl Verzögerungen sowie auch langwierigen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und tendenziell selbstbewusster werdenden Arbeitnehmern entgegengesteuert werden sollen.



Neben der Umwandlung von Stadtrandgebieten in Logistikflächen und der Entwicklung von B- und C-Städten mit Wertsteigerungspotenzial konzentrieren sich Projektentwickler vermehrt auf die Umgestaltung von ehemaligen Industriegeländen und zentral gelegenen Gebäudeensembles, um der rasant steigenden Wohnungsnachfrage gerecht zu werden. Nichtsdestotrotz sorgen Infrastrukturprojekte in den Bereichen Straßenbau und Erneuerbare Energien, vor allem im Offshore-Wind-Sektor, für den aktuell höchsten Beratungsbedarf.



In der Kanzleilandschaft stehen einige der renommiertesten deutschen Immobilienrechtspraxen seit dem Abgang ihrer Praxisleiter an einem Wendepunkt. So verlor der Marktführer Clifford Chance Ende Januar 2019 die renommierte Expertin Cornelia Thaler, die sich daraufhin unter dem Namen Thaler Law selbständig machte, während die auf Transaktionsfinanzierung stark ausgerichtete Einheit bei Noerr im selben Monat den Austritt ihres Co-Leiters Alexander Goepfert verkraften musste. Goepfert arbeitet nun inhouse für den größten europäischen Fonds des Kapitalverwalters Apollo Global Management. Seitdem werden die Praxen jeweils von Christian Keilich und Annette Pospich geführt.



Die vergleichsweise stabile Baurechtsbranche wird zwar weiterhin von den größten Baurechtsboutiquen dominiert, allerdings wird unter den mittelgroßen Kanzleien die vollumfängliche Beratung von Projektentwicklungen immer intensiver verfolgt. Dementsprechend wird der Sektor zunehmend durch einen interdisziplinären Ansatz gekennzeichnet, der die zusätzliche Behandlung von immobilienrechtlichen Fragestellungen mit einschließt.