Marktüberblick in Deutschland

Kaum ein Unternehmen kommt heute noch um das Thema Digitalisierung herum. Wenngleich für Kanzleien mit einem Standbein im IT-Recht klassische IT-Themen wie Softwareverträge, SaaS, Cloud und Outsourcing weiterhin relevant bleiben, müssen sie für neue Fragen gewappnet sein. Die digitale Transformation und Automatisierung von Geschäftsprozessen generieren einen großen Bedarf nach Rechtsberatung, die sich vor allem um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle dreht. Bei IT-Projekten rücken Themen wie agiles Programmieren, künstliche Intelligenz, Blockchain und Internet der Dinge immer mehr in den Vordergrund.



Die größte Aufmerksamkeit liegt jedoch ohne Zweifel auf einem ineinander übergreifenden Schlüsselthema: Daten und der Schutz von Daten. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 wuchs die Nachfrage nach datenschutzrechtlicher Beratung rasant, als Unternehmen aller Branchen feststellten, wie stark sie von den neu eingeführten Reformierungsmaßnahmen betroffen waren. Die Welle an DSGVO-Implementierungsprojekten erweckte das Interesse des Rechtsmarktes in diesem Bereich wieder und schlug sich in einem mächtigen Ausbau der Datenschutzteams nieder – und zwar nicht nur bei Kanzleien, sondern auch in Unternehmen, die sich um IT- und Datenschutzexperten rissen.



Heute ist der Spielraum für Neueinstellungen deutlich geringer. Im Jahr 2019 ebbte die Implementierungswelle so gut wie ab, obgleich man noch sporadisch Mandanten begegnet, die Nachholbedarf aufweisen. Die anfänglichen Befürchtungen vor Abmahnungen und hohen Bußgeldern erwiesen sich bis jetzt als unbegründet. Jedoch erhöhten die im Juli 2019 von den britischen Behörden angekündigten Millionen-Strafen gegen Marriott und British Airways auch die Aufmerksamkeit der Deutschen, die nun ihre Konformität durch Compliance-Management-Systeme zu optimieren versuchen.



Die Datenschutzgrundverordnung spielte auch für ausländische Betriebe, die in Europa tätig sind oder tätig werden möchten, eine Rolle. Deutsche Kanzleien werden dementsprechend auf internationaler Ebene zunehmend bei Fragen des Datentransfers zurate gezogen und genießen hiermit die Möglichkeit, ihre internationalen Netzwerke zu aktivieren, etablieren oder zu erweitern.



Aus der Datenschutzverordnung kristallisierten sich zudem neue Brennpunkte in Sachen Daten heraus. Datensicherheit und Datenverstöße stellen nun die größte Herausforderung dar. Im Automobil- und Finanzsektor ist vor allem von der Behandlung und Auswertung nicht-personenbezogener Daten die Rede; hingegen sind Cyberattacken für Akteure der Versicherungs- und Gesundheitsbranche, die sensible, personenbezogene Daten sammeln, ein sehr heikles Thema. Hierzu werden weitere Neuigkeiten erwartet: Denn kaum hat eine Abkühlphase begonnen, droht die für 2020 geplante e-Privacy Verordnung den rechtlichen Rahmen erneut zu erschüttern.