Marktüberblick in Deutschland

Wie in vielen Bereichen der Wirtschaft machte sich mit dem Eintreten der Covid-19-Krise auch im ECM-Markt vorerst Unsicherheit breit, die allerdings nicht allzu lange anhielt und bald einem regen Börsentreiben wich.Nach einem schwachen Jahr 2020 brummte das Emissionsgeschäft in der ersten Jahreshälfte 2021. Allein zwischen April und Juni 2021 fanden zehn Börsengänge statt; so viele IPOs in einem Quartal gab es in Frankfurt zuletzt vor 20 Jahren. Das erziele Emissionsvolumen lag dabei ebenfalls auf einem Rekordniveau: Vantage Towers, die Funkturmsparte des Mobilfunkanbieters Vodafone, ging im März 2021 an die Börse und erzielte einen Emissionserlös von €2,3 Milliarden, gefolgt vom Online-Gebrauchtwarenhändler Auto1 im Februar mit einem Erlös von €1,8 Milliarden und an dritter Stelle der drei größten Börsengänge in der ersten Jahreshälfte 2021 stand der Softwareentwickler Suse, der im Mai bei Anlegern an der Börse €1,13 Milliarden einwarb.Wenig überraschend ist hierbei die sektorielle Gewichtung: während viele klassische Unternehmen an den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie litten, zählten E-Commerce- und Technologieunternehmen zu den eindeutigen Gewinnern. Zudem stiegen Unternehmen der Life Sciences- und Healthcare-Sektoren gut aus, wenngleich diese beiden Branchen prinzipiell von einem azyklischen Charakter geprägt sind. Weiterhin zu beobachten ist, dass Healthcare- und Life Sciences-Unternehmen den Börsengang in den USA bevorzugen, wofür einige deutsche ECM-Teams mit ausgewiesener US-Expertise gewappnet sind.Stark nachgefragt wurde diese US-Expertise außerdem im Rahmen der von den USA nach Europa überschwappenden SPACs-Welle. SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) sind (überwiegend an der Nasdaq und dem NYSE) börsengelistete Mantelunternehmen, die im Rahmen eines Börsengangs Kapital aufnehmen, um attraktive Unternehmen – häufig handelt es sich hierbei um Early-Stage-Unternehmen mit einem Branchenfokus auf Technologie, Life Sciences, Pharma und Healthcare - zu akquirieren. Somit verzeichneten Kanzleien mit starken grenzüberschreitenden Kapazitäten ein verstärktes Mandatsaufkommen in der Begleitung von de-SPACs, sprich dem Einstieg in die Zielgesellschaft.Die Digitalisierung des Finanzplatzes ist ein weiterer Trend, der insbesondere Kanzleien mit starken Schnittstellenkapazitäten, wie etwa zum Aufsichtsrecht und FinTech, in die Hände spielt. So können Unternehmen seit der Verabschiedung des Gesetzes zur Einführung elektronischer Wertpapiere (eWpG) im Sommer 2021 digitale Wertpapiere begeben. Dadurch muss für Schuldverschreibungen, Fondsanteile und Pfandbriefe künftig keine Papierurkunde mehr ausgestellt werden, sondern sie können stattdessen in einem elektronischen Register hinterlegt werden. Dieses kann entweder von einer Depotbank geführt oder dezentral als Krypto-Wertpapier auf einer Blockchain abgebildet werden.Ebenso in den regulatorischen beziehungsweise Compliance-Bereich fällt der Themenblock ESG (Environmental, Social and Governance). Durch die seit März 2021 geltenden Offenlegungsverordnung rückten ökologische und soziale Fragen verstärkt in das Blickfeld von Kapitalmarkt-Akteuren. Im Zentrum dieser Verordnung stehen nachhaltige Aspekte von Finanzprodukten und mehr Transparenz für Anleger. Unternehmen, die diesem Trend gerecht werden wollen, eröffnet sich ein komplexes Themenfeld, wovon letztendlich darauf ausgerichtete Praxen profitieren.Dies betrifft neben ECM- auch den DCM-Markt, auf dem Sustainability-linked Bonds (SLBs) eine zunehmende Rolle spielen und somit mittlerweile zum festen Bestandteil der Mandatsarbeit vieler Kanzleien zählen. Da diese zwar an ein konkretes, jedoch selbst gesetztes, Nachhaltigkeitsziel gekoppelt sind, hält sich die Aussagekraft vieler Labels für Anleger in Grenzen. Einen Schutz vor sogenanntem ‚Greenwashing‘, sprich einer verkaufsfördernden grünen Hülle für ein im Grunde konventionelles Produkt, bietet diese Verordnung nicht.Auch wenn man die grüne Komponente außer Acht lässt, war die Nachfrage nach Anleihen 2020 groß; schließlich löste die Covid-19-Krise bei vielen Unternehmen einen Schock aus, den es mit Liquidität entgegenzuwirken galt. So schloss insbesondere der Corporate-Bondmarkt das Jahr mit einem Rekordvolumen ab. Für Entspannung sorgte nicht zuletzt die Europäische Zentralbank, die den Markt mit Anleihekäufen stützte.Der High-Yield-Markt bleibt in Anbetracht des weiterhin bestehenden Interesses an höher verzinslichen Papieren und daraus resultierenden höheren Rediten ebenso attraktiv wie auch Hybridanleihen, sprich Instrumente zwischen Eigen- und Fremdkapital. Kanzleien stellen sich diesen Trends schon seit geraumer Zeit mit fachbereichsübergreifenden Kapitalmarktrechtsteams, die je nach Wirtschaftslage sowohl die Beratung zu Eigenkapital- als auch zu Fremdkapitalfinanzierungen übernehmen.Zudem erfreuen sich strukturierte Produkte einer verstärkten Nachfrage, was zwei Faktoren geschuldet ist: zum einen sind Mandanten darum bemüht, ihre Finanzierungspakete zu diversifizieren und zum anderen treibt die weiterhin bestehende Niedrigzinslandschaft die Suche nach rentierliche Anlagen weiter voran.