Marktüberblick in Deutschland

Die Rundum-Beratung der Lebensmittelbranche sowie in den Nischen Nahrungsergänzungsmittel, Futtermittel, Kosmetik und Tabak als auch dem breiter gefassten Konsumgütersektor ist im Wesentlichen interdisziplinär. Produktbezogene Fragen reichen von der Konzeption, Klassifikation, Kennzeichnung und Verpackung bis hin zur Vermarktung, Sicherheit und Compliance. So spielen neben der vertrags-, vertriebs- und wettbewerbsrechtlichen Betreuung oftmals auch die strategische Beratung sowie die Unterstützung im Krisenmanagement, bei der Produkthaftung und bei Produktrückrufen eine wichtige Rolle. Dabei bedarf es in diesem besonders dynamischen und von rechtlichen Neuerungen und Änderungen geprägten Rechtsgebiet insbesondere regulatorischer Expertise. Somit bildet die Vertretung von Mandanten in Auseinandersetzungen vor den Behörden sowie vor Gericht einen Eckpfeiler fast jeder in diesem Bereich tätigen Praxis. Im Bereich der Abgrenzungsfragen erfolgt die Beratung außerdem regelmäßig an der Schnittstelle zum Pharma- und Arzneimittelrecht sowie zum Kosmetikrecht.Auch weiterhin beschäftigen sich einige Kanzleien mit Hanf- und Cannabis-Produkten und sehen darin viel Zukunftspotential. Mit der neuen Bundesregierung werden mitunter verbesserte Aussichten für die Legalisierung von Cannabis erwartet, dies befeuert zusätzlich das Interesse an dem Thema. Indes wird der Antrag zur Zulassung von CBD als neuartiges Lebensmittel weiterhin von der Europäischen Kommission geprüft. Als neuartiges Lebensmittel zugelassen wurde von der Kommission 2021 als erstes Insekt der gelbe Mehlwurm- eine Entwicklung die manche Kanzleien mit Interesse beobachten. Fleischfreie Produkte, beziehungsweise vegane und vegetarische Fleischersatzmittel, sind weiterhin hochaktuell, so dass Sozietäten regelmäßig Markteintritte ausländischer Unternehmen sowie Produkteinführungen begleiten. Mit der Covid-19-Pandemie bildete 2021 die Begleitung von Herstellern von Masken oder Desinfektionsmittel sowie Compliance-Fragen rund um das Infektionsschutzgesetz einen wichtigen Bestandteil einiger Praxen.Die Kennzeichnung von Lebensmitteln bleibt ein wichtiges Thema, hier war unter anderem die im Oktober 2020 veröffentlichte erste Verordnung zur Änderung der Lebensmittelinformations-Durchführungsverordnung (LMIDV), die eine Nutri-Score-Kennzeichnung gestattet, eine signifikante Entwicklung. Die Bundesregierung veröffentlichte zudem im Januar 2021 ihren Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung des Verbraucherschutzes im Wettbewerbs- und Gewerberecht, womit durch einen ausdrücklichen Irreführungstatbestand die Vermarktung unterschiedlicher Produkte unter identischer Aufmachung verboten wird; somit soll die vermeintliche oder tatsächliche Dual Quality- Marketingstrategie unterbunden werden. Mit dem deutschen Lieferkettengesetz rücken außerdem die Themen Menschenrechte und Nachhaltigkeit für Lebensmittel- und Konsumgüterunternehmen vermehrt in den Fokus.Auch weiterhin setzen Kanzleien auf die Einbeziehung von externen oder hauseigenen Naturwissenschaftlern, mitunter können sie sich hierbei auf Schwesterunternehmen verlassen, wie zum Beispiel meyer.science bei Meyer Rechtsanwälte und die RDA Scientific Consultants GmbH bei Meisterernst Rechtsanwälte.Der deutsche Kanzleimarkt im Lebensmittelrecht ist überschaulich und umfasst größtenteils etablierte Player, die das Rechtsgebiet von Beginn an aktiv mitgestaltet haben. Die Beratung wird überwiegend in spezialisierten Einheiten angeboten, da nur wenige Großkanzleien ein profitables Geschäft darin sehen beziehungsweise die für den Bereich übliche Dauerberatung oft nicht in die Struktur größerer nationaler und internationaler Sozietäten passt. Ausnahmen hierfür sind Gleiss Lutz und Squire Patton Boggs, die mit Andreas Wehlau  und Christofer Eggers  über erfahrene Lebensmittelrechtler verfügen. CMS und Hogan Lovells International LLP setzen auf einen interdisziplinären Sektorfokus im Bereich Konsumgüter, und Noerr fährt mit der Lebensmittelrechtspraxis einerseits und der Produkt-Compliance-Praxis andererseits einen zweigleisigen Ansatz, um die Lebensmittelbranche zu bedienen.Top-Kanzleien in diesem Segment decken die gesamte Bandbreite an Beratungsfeldern ab und sind in allen Teilsektoren tätig. Meyer Rechtsanwälte und Meisterernst Rechtsanwälte sind die zwei Platzhirsche in München, die seit 2011 getrennte, wenn auch gleichermaßen erfolgreiche Wege gehen. In Hamburg beherbergen die Einheiten Krohn Rechtsanwälte und Zenk Rechtsanwälte seit über drei Jahrzehnten die Pioniere des Lebensmittelrechts. Auch die Boutique KWG Rechtsanwälte hat einen 30-jährigen Erfahrungsschatz in diesem Bereich und hält trotz Umschwung auf personeller Ebene in den vergangenen Jahren an ihrer marktführenden Position fest.Andere spezialisieren sich auf bestimmte Aspekte, wie beispielsweise Erzeugnisse tierischen Ursprungs, wie im Falle des KWG Rechtsanwälte-Spin-offs cibus Rechtsanwälte ersichtlich wird, oder auf Lebensmittel mit Gesundheitsbezug und die Schnittstelle zu Arzneimitteln, wie bei Forstmann Büttner, King & Spalding LLP und KOZIANKA & WEIDNER Rechtsanwälte.Neuzugänge im Ranking sind Bird & Bird LLP, das mit einem großen interdisziplinären Team die verschiedenen Aspekte des Lebensmittel-und Konsumgüterrechts abdeckt und Arnecke Sibeth Dabelstein, das mitunter in Grundsatzverfahren gewichtige Urteile erstritten hat.Insgesamt lässt sich feststellen, dass erfahrene Partner in den jeweiligen Teams weiterhin eine sehr wichtige Rolle spielen, während einige Anwälte anmerken, dass sich das Interesse von Nachwuchsanwälten für diesen Praxisbereich in Grenzen hält.