Marktüberblick in Deutschland

Die dominierenden Themen des deutschen Streitbeilegungsmarktes, der einer Vielzahl von Praxen starkes Geschäft beschert, sind nach wie vor eine Masse an Klagen im Zusammenhang mit dem Diesel-Komplex sowie Kartellschadensersatzprozesse. Zudem haben Verfahren zu Datenschutzverstößen an Fahrtwind gewonnen: Während die Behörden hier seit dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 den meisten Unternehmen anfangs eine Schonfrist gewährten, werden nun erste Verfolgungen verzeichnet, die aller Erwartung nach zukünftig stark zunehmen werden. Zudem wird den Komplexen Environment und Social Compliance mehr Aufmerksamkeit geschenkt, oftmals zunächst im Rahmen präventiver Beratung, jedoch wird auch hier mit einem Anstieg an vorgerichtlichen Streitigkeiten gerechnet.

In Corona-bedingen Entwicklungen konnte zum Einen bei vielen Kanzleien eine verstärkte Zusammenarbeit von Streitbeilegungs- und Insolvenzpraxen verzeichnet werden: Nachdem die Regierung die Insolvenzantragspflicht ursprünglich bis Oktober 2020 und nachträglich bis Ende des Jahres ausgesetzt hatte, rüsten Kanzleien nun hier vorsorglich bereits stark auf, um für den erwarteten Anstieg an Insolvenzen gut aufgestellt zu sein. Des Weiteren kam es bereits in der zweiten Hälfte von 2020 zu einigen Lieferketten- und Vertragsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der Pandemie. Zuletzt stellten zudem diverse Notverordnungen auch die eher traditionell ausgerichteten deutschen Gerichte vor eine große Herausforderung; gezwungenermaßen wurden hier nun Schritte in Richtung der Digitalisierung eingeleitet, um Arbeitsprozesse und Gerichtsverfahren auch in diesen Zeiten weiterhin reibungslos gewährleisten zu können.

Auf legislativer Ebene führt das anstehende Verbandssanktionsgesetz auch zu aufsichtsrechtlichen Fragen mit Streitpotenzial. Außerdem wurden neue Regeln auf EU-Ebene für Sammelklagen eingeführt, eine Entwicklung, die eventuell auch zur Modifizierung des kritisch angesehenen Musterfestellungsgesetzes führen könnte.

Auf dem Anwaltsmarkt tat sich wie üblich einiges, insbesondere bei den in Deutschland tätigen amerikanischen Kanzleien: Nachdem Sabine Konrad im September 2019 McDermott Will & Emery Rechtsanwälte Steuerberater LLP für Morgan, Lewis & Bockius LLP verließ, schloss sich Markus Rieder, der ursprünglich bei Latham & Watkins LLP aktiv war, dem Team von Gibson, Dunn & Crutcher LLP im November 2020 an. Pinsent Masons Germany LLP verstärkte sich im ersten Halbjahr 2020 in München mit Johanna Weißbach und Christian Schmidt, die zuvor Principal Associates bei Freshfields Bruckhaus Deringer waren. Außerdem verkündete die Kanzlei Arnold & Porter, dass sie bis Ende März 2021 ihr einziges deutsches Büro schließen will; wohin die beiden Streibeilegungsexperten Klaus Eyber und Michael Weigel gehen, ist derzeit nach abzuwarten. Im Arbitration-Markt ist außerdem der Wechsel von Anna Masser von Jones Day zu Allen & Overy LLP im Februar 2020 zu erwähnen; sie leitet nun die Praxis nach dem Weggang von Daniel Busse.