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Marktüberblick in Deutschland

Unzählige Videocalls und eine in operationaler Hinsicht leidende Strafrechtspflege scheinen sich als die wohl spürbarsten, pandemiebedingten Veränderungen in der wirtschaftsstrafrechtlichen Beratung in Deutschland niedergeschlagen zu haben. Aufgrund der teils nur eingeschränkt möglichen Tätigkeit der Strafverfolgungsbehörden seit März 2020 wurden etliche Prozesse in den darauffolgenden Monaten verschoben, neue Verfahren zwar eingeleitet, jedoch zunächst nicht durchgeführt. So langsam kommt dank gelockerter Covid-19-Regelungen jedoch wieder Bewegung in den Gerichtssaal; eine Entwicklung, die insbesondere, aber nicht nur, von Individualstrafverteidigern begrüßt wird.Aber während das Homeoffice und stark eingegrenzte Reisemöglichkeiten dem anwaltlichen Arbeitsalltag vermutlich mehr Stagnation als sonst verschrieben, sorgten 2021 durchgeführte Gesetzesverabschiedungen und -änderungen, insbesondere finanzmarkt- und unternehmensbezogen, für frischen Wind und stärkeren Beratungsbedarf. Insbesondere das am 11.06.2021 beschlossene Lieferkettengesetz leitet einen Paradigmenwechsel in der Unternehmenssorgfaltsverpflichtung ein, da Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigten ab dem 01.01.2023 sicherstellen müssen, dass auch Unternehmen ihrer Wertschöpfungskette den in Deutschland geltenden rechtlichen Anforderungen entsprechen. Auch wenn das Gesetz letztendlich keinen neuen Hafttatbestand geschaffen hat, werden Unternehmen in die Verantwortung gebracht, Präventivmaßnahmen gegenüber Geschäftspartnern vertraglich zu definieren.Zudem verabschiedete der Deutsche Bundestag am 20.05.2021 das Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität, das im Bereich des Bilanzstrafrechts den Strafrahmen bei einzelnen Strafvorschriften anhebt, neue Straftatbestände schafft sowie bestehende Straftatbestände erweitert und leichtfertiges Handeln stärker kriminalisiert. Und auch die Vorbereitung zum vorerst gescheiterten Verbandssanktionengesetz spielt weiterhin eine Rolle im Rahmen der wirtschaftsstrafrechtlichen Unternehmensberatung, da Wirtschaft wie auch Kanzleien weiterhin an eine zukünftige Umsetzung glauben.Abseits neuer und erweiterter Gesetzesvorschriften waren deutsche Wirtschaftsstrafrechtler sowohl auf Unternehmens- als auch Individualebene weiterhin stark mit Cum-Ex-Prozessen beschäftigt, die in vielen Kanzleien mittlerweile den Hauptteil der steuerstrafrechtlichen Verteidigungstätigkeiten ausmachen. Während spezialisierte Strafrechtseinheiten nach wie vor insbesondere im Bereich der Individualverteidigung wesentlich präsenter sind als Großkanzleien, stellen letztere aufgrund ihrer Schnittstellenkompetenzen zwischen Compliance, internen Untersuchungen und zunehmender wirtschaftsstrafrechtlicher Verteidigungsexpertise eine häufig attraktive Alternative für nationale und internationale Unternehmen jeglicher Größe dar.