Marktüberblick in Deutschland

Das dominierende Thema im Wirtschaftsstrafrechtsmarkt der letzten Zeit ist das anstehende Verbandssanktionengesetzes, das eine stärkere Sanktionierung von Unternehmen möglich machen würde. Seinen Weg in das Gesetzbuch hat es zwar noch nicht geschafft und es bleibt auch abzuwarten, ob das in 2019 der Fall sein wird, aber das Justizministerium hat zumindest einen verfassten Entwurf, der unter anderem fehlende Compliance-Strukturen schwer ahnden würde.



Das hat zur Folge, dass die Bereiche Compliance, interne Untersuchungen und Wirtschaftsstrafrecht sich immer enger verzahnen. Während ursprünglich echte Strafrechtsexpertise überwiegend in Boutiquen zu finden war, ist es für diese aber eine Herausforderung großangelegte Untersuchungen durchzuführen. Hier bleiben nach wie vor Full-Service-Kanzleien die Adresse, an die man sich wendet. Jedoch hatten die wenigsten von diesen bis jüngst echte Strafrechtler oder gar ein Team an Spezialisten im Angebot. Es gab zuletzt allerdings viel Bewegung im Markt, vor allem in Form von Counsels und jungen Partnern, die jetzt unter einem neuen Dach arbeiten.



Das verstärkte Interesse der Großkanzleien an dem Rechtsbereich Wirtschaftsstrafrecht wird sich aber nicht als Gefahr für etablierte Strafrechtsboutiquen abbilden. Die vorsichtige Prognose von diesem Trend ist der einer freundlichen Co-Existenz der beiden Kanzleistrukturen. Neben der Beratung von Unternehmen bleiben immer noch eine Reihe von Einzelpersonen, die ebenfalls rechtlichen Beistand benötigen.



Der Markt ist weiterhin von zwei Themenkomplexen geprägt. Im Bereich des 'Diesel-Skandals' wurden 2019 erste Anklagen gegen Einzelpersonen erhoben, die sich nun zu den Vorwürfen von unter anderem Betrug verantworten müssen. Ermittlungsverfahren sind nach wie vor im vollen Gange, und es ist somit mit mehr Verfahren zu rechnen. Auch der Cum/Ex-Komplex hat eine andauernde, prominente Stellung im Markt. Genau wie bei Diesel wurden erste Verfahren nun auch hier eingeleitet.